„Wolfssucht“ von Nora Bendzko

Was ist „Wolfssucht“? „Wolfssucht“ ist ein düsteres Horrormärchen (die Autorin nennt es selbst Galgenmärchen, aber ich mag den Begriff nicht so sehr), das auch einige psychosoziale Themen behandelt. Was es nicht ist – und damit gehe auf die Kritikpunkte in anderen „Rezensionen“ auf Amazon ein, die mich zum Facepalmen gebracht haben -, ist eine historische Abhandlung über den Dreißigjährigen Krieg oder eine gemütliche Vorlesegeschichte. Wolfssucht

Am Anfang habe ich ein wenig gebraucht, in den doch sehr getragenen und pathetischen Stil hereinzukommen, bis mir dann aufging, dass eben Märchen nicht nur auf dem Cover steht, sondern auch drin ist  und im Großen und Ganzen ganz stimmig ist, bis auf 2-3 Ausnahmen, auf die ich nicht näher eingehen will, um nicht schon wieder in kleinliches Formaliagelaber zu fallen; nur so viel: Ich hasse das Wort „Wackerstein“ und es kommt auf einer Seite dreimal vor! Letztendlich ist das auch schon der einzige, kleine, formale Kritikpunkt: dass an einigen Stellen Wortwiederholungen kommen, die mich persönlich stören (ein Vater darf auch einfach mal nur ein Mann sein).

Inhaltlich haben mir große Teile des Werkes gefallen. Die gesellschaftskritischen Themen sind zeitlos und auch mal etwas anderes; mir ist z.B. kein Werk in dem Genre bekannt, in dem das „Frauwerden“ und Themen wie Menstruation mal eine Rolle spielen und aufgearbeitet werden, fette Pluspunkte dafür von meiner Seite. Es wurde kein Wert auf Splatterszenen oder billige Sex-Sells-Effekte gelegt, obwohl sexuelle Perversion und die psychische Moral durchaus eine Rolle spielen, ist es nicht Mittel zum Zweck wie z.B. bei Extrem-Horror-Autoren wie Edward Lee.

Der Spannungsbogen verläuft für meinen Geschmack ganz gut, zumindest hatte ich Noraimmer Lust, weiterzulesen, bis es auf den Showdown zuging, der für mich auch der einzige größere Minuspunkt ist. Ab der Hälfte des Märchens zeichnete er sich ab und ich habe die ganze Zeit nur gehofft, dass es nicht die Lösung des Problems bzw. den Showdown gibt, den ich von Anfang an befürchtet habe. Besonders das Finale der beiden „Monster“ (eines wortwörtlich, das andere in übertragener Weise) verlief ziemlich nach genretypischem Standard, was mich einigermaßen enttäuscht hat. Immerhin war der Schluss ganz witzig, wodurch ich nach dem guten Start auch mit einem guten Gefühle am Ende aus dem Buch gehen konnte.

Fazit

„Wolfssucht“ ist ein relativ solides, kurzes Werk, das im Großen und Ganzen hält, was es verspricht, unterhält und interessante, andere Themen verarbeitet. Eine Altersempfehlung würde ich ab 16 Jahren ansetzen, nicht weil es so grausam und blutrünstig ist, sondern weil die behandelten Themen für ein jüngeres (vor allem männliches) Publikum noch teilweise schwer fassbar sein mögen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rezensionen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s