Der Rasenmäherwichser

Der Rasenmäherwichser

Nach einer längeren Zeit heiße ich euch wieder willkommen zu einer neuen Folge der Mittelgebirge Diaries. In dieser Folge widme ich mich der faszinierenden Mythologie meiner Mittelgebirge und lasse den universalgelehrten Playboy Benjaminus von Chassalla zu Wort kommen.

Der Rasenmäherwichser

Andere Länder und Gegenden haben ihre ganz eigenen mystischen Wesen und Monster, die ihnen nachts und frühmorgens den Schlaf rauben. Auf einem Marktplatz im Süden hörte ich zum Beispiel von den ›Baustellendrecksmistkerlen‹ (Michelle Janßen™), die nur am heiligen Sonntag nicht schon um 7 Uhr morgens die braven Bürger mit ihren Höllenmaschinen aus dem Schlaf reißen und sie so langsam in den Wahnsinn treiben.

Hier in den Mittelgebirgen, als deren Chronist ich mich zähle, kennen wir den ›Rasenmäherwichser‹! Mindestens eine halbe Stunde vor Ablauf der vorgeschriebenen Nachtruhezeit schwingt sich der Spuk aus der Familie der Knilche auf seinen Grasschneider. Stinkend und mit ohrenbetäubendem Lärm fährt der Knilch vor unserer aller Ohren und Fenstern auf und ab. Charakteristisch sind dabei der ihn begleitende Geruch von verbranntem Benzin und gelegentlich knackende Laute, wenn er über die Knochen der Sünder aus dem dritten Höllenkreis fährt. Schaut man nun halb schlaftrunken aus dem Fenster, um den Unruhestifter ausfindig zu machen, sieht man nur eine gesichtslose Masse, die auf einem Mäher des Rasens sitzt und wahllos über Grünflächen fährt. Der Gesichtslose bearbeitet dabei seinen Penisersatz mit einer oder zwei Händen, malträtiert das stinkende, zitternde Teil unter ihm, bis es seinen grünen trockenen Samen auf dem Boden verteilt, auf dass das Gras wieder wachse und er erneut sein Unwesen treiben kann. Von dem Blick ist man so paralysiert und schockiert, dass man nicht die Ordnungshüter der heiligen Kirche oder Stadtverwaltung kontaktieren kann, und ist mit seiner Schlaflosigkeit allein.

Wie kann man aber nun des wichsenden Knilches Herr werden? Gelehrte aus den Kleingärtenvereinen berichten, dass Feuchtigkeit auf dem Gras beziehungsweise nasses Grün den Unhold abhält. Da man nun aber nicht ständig den bodendeckenden Pflanzenbewuchs in seiner Umgebung nass halten kann, empfiehlt der bescheidene Verfasser dieses Traktates Beton. Dieses graue Material, das schon die Römer verwendeten (Vermutlich hatten sie auch schon unter dieser Erscheinung zu leiden), verbreibt den Knilch und sein ewig lüsternes Teil. Also sei dem Geplagten geraten, es großflächig auf alle Grünanlangen in der Nähe zu verteilen. Wer sich jedoch ein wenig Pflanzenbewuchs in seiner Nähe erhalten möchte, kann Blöcke aus Beton, sogenannte ›Panzersperren«, auf den Grasausdehnungen platzieren, jedoch ist hier die Wirksamkeit umstritten. Ich rate jedoch davon ab, den Plagegeist mit Waffengewalt vertreiben zu wollen, da man so unter Umständen die Aufmerksamkeit anderer finsterer Mächte (Polizei, LKA, Ordnungsamt usw.) auf sich ziehen könnte.

Euer ergebener Benjaminus von Chassalla!

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6 Antworten zu Der Rasenmäherwichser

  1. lunaskyeromane schreibt:

    Amüsant!
    Der Rasenmäherwichser-Der Titel allein, reicht aus, ummich zu erheitern. 😂
    Formulierung und Wortwahl einfach Perfekt. Gute Arbeit, Sir!

    Also mich hast du als neuen Leser verbuchen können. Danke!
    Mach weiter so 🙆

    Luna

  2. Lady Sonea schreibt:

    Scheint artverwandt mit dem Rasenmäherwichser suburbanus zu sein, der während der gesetzlichen Mittagsruhe mit seinem Penisersatz in beruhigten Wohngegenden sein Unwesen treibt.

    Sehr amüsant geschrieben!

    LG
    Sonea

  3. SamiraJessica schreibt:

    Cool, Sonea und du, ihr kennt euch auch?

    So, nachdem du mich auf Twitter neugierig gemacht hast, hab ich jetzt wie versprochen hier reingeschaut und finde diese kleine Geschichte recht lusitg. Ich glaube, wäre ich nicht durch Twitter darauf aufmerksam geworden, hätt ich’s nie gelesen.
    So aber war ich neugierig, was du zum Thema „Rasenmäherwichser“ wohl zu schreiben weißt, und bin überrascht. Ist gut geworden, find ich.

    federschwingende Grüße
    Samira-Jessica

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