Meine 7-Tage-Lesechallenge – Jeder Tag ein Buch

Einige von euch dürften es schon mitbekommen haben: Vom 01.08 bis zum 09.08 habe ich mir selbst eine Challenge gestellt, dass ich jeden Tag ein Buch lese. Eigentlich sollte die Challenge genau über 7 Tage gehen, aber zwei Tage musste ich aussetzen, daher ging die Challenge insgesamt zwei Tage länger.

7-Tage-Lesechallenge

Aber wie kam es dazu? Viele hatten mich bereits während der Challenge gefragt, ob ich nichts zu tun hätte oder dass sie auch mal gern so viel Zeit hätten. Dazu kann ich sagen, dass ich in dieser Zeit tatsächlich nichts zu tun hatte, da ich in einer Art Zwangsurlaub war, weil sie Abgabezeitpunkte von Kundern verzögert haben bzw. ich schneller war als gedacht. Theoretisch hätte ich in der Zeit auch schreiben können, aber dazu fühlte ich mich aufgrund privater Ereignisse mental nicht in der Lage. Da ich in der Zeit davor nicht so viel privat gelesen (natürlich aber viel beruflich und für die Uni) und vor allem Hörbücher konsumiert habe, wollte ich einfach mal wieder „richtig“ lesen, also für mich und fokussiert, daher habe ich auch nur Printbücher ausgewählt, obwohl ich mittlerweile eher auf E-Books stehe. Weiterhin habe ich auch nur Bücher gewählt, die maximal um die 200 Seiten haben. Ein weiterer Auswahlpunkt war noch, dass ich möglichst verschiedene Genres lesen wollte.

Im Folgenden werde ich euch kurz die Bücher einzeln vorstellen und anschließend noch ein Resümee über meine Erfahrungen während der Challenge berichten.

Tag 1:  Adeptus Mechanicus – Tech Priest von Rob Sanders

WarhammerEin Warhammer 40.000-Roman, der mal etwas anders war. Wer sich ein bisschen mit dem Universum und den Büchern, die darin spielen, auskennt, der weiß, dass den Leser hier Blut und Gemetzel ohne lästiges Beiwerk wie Love Interests erwarten. Das war auch bei diesem Werk so, jedoch war die Perspektive recht interessant. Man verfolgt die Handlung aus der Sicht eines Tech-Priesters, also einem Wesen, das sich dem Maschinengott verschrieben hat und mittlerweile mehr Maschine als Mensch ist. Dieser Techpriester hat die Fähigkeit, in die Mechanik seiner untergebenen zu schlüpfen, die Welt aus ihrer Sicht zu sehen und sie auch zu kontrollieren. Es war auf der einen Seite ziemlich interessant, eine planetares Gemetzel aus der Sicht so einen kühlen Verstandes zu erleben, andererseits aber als Leser auch teilweise verwirrend, wenn sich die Gedanken des Protagonisten mit denen seiner Untergebenen teilweise gemischt habe, was vielleicht auch gewollt war. Die Handlung war solide, aber hat mich auch nicht vom Hocker gerissen. Alles in allem ein solides Buch.

Tag 2: Des Teufels General von Carl Zuckmayer

Des Teufels GeneralEin modernes Drama, dessen Handlung in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs angesiedelt ist. Ein Fliegergeneral, der seines Zeichens eher ein Hedonist und Lebemann ist, gerät in die Mühlen der Nazi-Bürokratie und gerät aufgrund seiner Verbindungen und Lebeweisen immer mehr in Bedrängnis. Die größte Herausforderung war für mich beim Lesen die große Menge an Figuren. Da der Autor aber vielen von ihnen eine Dialektstimme verleiht, gelingt das Auseinanderhalten doch ganz gut. Der Autor nimmt sich viel Zeit, die Figuren vorzustellen, indem er vom Protagonisten deren Biographien erzählen oder erfragen lässt. Die Handlung wirkte an einigen Stellen etwas konstruiert, was jetzt in einem Drama nicht so das Drama ist (Wortwitz, haha), aber klassischerweise hat man das Gefühl eines unabwendbaren Schicksals, aus dem der Held nicht entfliehen kann. Hier hat man eher das Gefühl, dass Doofheit und Ignoranz die Triebfedern sind. Letztendlich war es okay, aber ich hatte mir mehr versprochen.

Tag 3: Quäl das Fleisch von Monica J. O’Rourke

Quäl das FleischMein letztes ungelesenes Extrem-Horror-Printbuch musste ich selbstredend auch im Rahmen dieser Challenge lesen. Wir haben es hier mit einer relativ klassischen Rape&Revenge-Geschichte zu tun. Die Protagonistin wird also entführt, „geschändet“ und missbraucht (ohne hier auf Einzelheiten eingehen zu wollen), befreit sich mit ihren Leidensgenossinnen und dann wird der Spieß umgedreht. Das Buch ist wirklich recht heftig, definitiv FSK 18 und die Handlung ist okay, was man eben erwartet. Eine kurzweilige Lektüre, wenn man es etwas härter mag.

 

Tag 4: Am Ende der Wels von Totte Kühn

Am Ende der WelsEine Sammlung von Erzählungen, von denen ich mir eigentlich mehr erwartet habe. Auf der Buch Berlin 2015 habe ich die Lesung des Autors zu dem Buch erleben dürfen und war ziemlich hin und weg. Er hatte zwei Geschichten aus dem Werk gelesen, dementsprechend waren auch meine Erwartungen an den Rest. Leider muss ich sagen, dass mich der Rest der Erzählungen nicht so mitreißen konnte. Der Humor zündete bei mir nicht so richtig in den anderen Geschichten, vieles wirkte sehr bemüht. Tatsächlich habe ich mich ziemlich durchgequält, obwohl es nur knapp 100 Seiten waren. Für mich war es das schwächste Buch, das ich für die Challenge gelesen habe.

Tag 5: Fleckenteufel von Heinz Strunk

FleckenteufelHeinz Strunk ist definitiv einer meiner absoluten Lieblingsautoren, wenn nicht sogar der liebste Schriftsteller, und auch dieses Mal hat er mich nicht enttäuscht. Ich habe fast die ganze Zeit nur durchgelacht und das Buch kaum aus der Hand legen können. Vielleicht habe ich sogar am wenigsten Zeit für die Lektüre gebraucht, obwohl es am dicksten war. Kurz zur Handlung: Ein Teenager fährt Ende der siebziger Jahre auf eine Kirchenfreizeit  und der Rest ist Geschichte. Wie immer mit tragischem Humor und manchmal weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Das stärkste Buch, das ich für die Lesechallenge gelesen habe.

P.S. Hast du dir heute schon mal richtig in den Arsch gekackt?

Tag 6: Der David ist dem Goliath sein Tod von Torsten Sträter

SträterJa, was soll man dazu sagen? Eine angenehme Ansammlung  von Erzählungen des Herrn Sträter, die genau die Versprechungen hält, die man an ein Buch von dem guten Mann hat. Es war lustig und ich habe auch viel gelacht, aber es fehlt mir die dramatische Tiefe, dieser groteske Ernst, der eben noch bei einem Heinz Strunk mitschwingt. Ich merke gerade, dass sich meine Bewertung viel negativer anhört, als es eigentlich gerechtfertigt wäre, vielleicht ist auch der Vergleich mit Strunk ungerecht an dieser Stelle. Das Buch ist wirklich witzig, ich schwöre, rummsbumms, tralala!

 

Tag 7: Spiegelberg 4 von Tia Berger und Alfred Berger

SpiegelbergFür mich die Überraschung der Lesechallenge im positiven Sinn. Ich dachte mir vorher, dass es eben eine gute nette Horroranthologie ist und damit hat es sich. Die Geschichten waren aber von ihrer Art sehr abwechslungsreich, es gab einige interessante Ideen und Motive, die mir so auch noch gar nicht unter die Augen gekommen sind. Auf jeden Fall eine der besten Horroranthologien, die ich gelesen habe. Mit Sträter zusammen auf Platz 2 der Bücher, die ich für die Challenge inhaliert habe.

 

 

Fazit

Es ist immer schwierig, wenn man etwas tun muss, das man eigentlich auch gerne freiwillig macht, nur nicht in dem Ausmaß. Dabei habe ich mich daran erinnert, dass ich als junger Teenager, also so mit 13-15, fast jeden Tag so viel gelesen habe und das war für mich gar nichts Besonderes. Und dann ist mir wiederum eingefallen, dass ich auch heute noch oft so viel lese, nur eben nicht für mich. Ich weiß, dass ich ziemlich genau eine Seite pro Minute Lese, das wären auch nur 1,5 Filme oder 4-5 Folgen einer Serie vom Zeitaufwand her. Und mit diesen Gedanken im Hinterkopf, kam mir die Challenge gar nicht mehr so krass vor. Die ersten beiden Tage verliefen eher mittelmäßig, was zum Teil an den Büchern lag, aber auch daran, dass ich mich erst mal daran gewöhnen musste, mir wieder so viel Zeit für eine Sache zu nehmen, nicht ständig aufs Handy oder in Social Media zu gucken usw. Am eigentlich vierten Tag hatte ich ein wenig zeitlich geschludert und dann kurzfristig noch die Entscheidung getroffen, auszugehen, was ich in dem Moment für mein mentales Gleichgewicht als wichtiger erachtete. Dort habe ich mir dann so hart gegönnt, dass ich noch einen Tag aussetzen musste. Na gut, passiert eben. Der Tag darauf, also jetzt  Tag 4 nach neuer Rechnung, war ziemlich zäh, obwohl das Buch sehr kurz war. Am Ende von Buch 4 war ich schon ziemlich unmotiviert, sodass ich das von Heinz Strunk vorgezogen habe – eigentlich war es für den letzten Tag vorgesehen. Fleckenteufel hat mich aber wieder so motiviert und auf Spur gebracht, dass die letzten beiden Tage gar kein Problem waren.

Die Challenge war eine interessante und nette Erfahrung und hat mich auch wieder ein bisschen in mein seelisches Gleichgewicht gebracht. Ich könnte mir auch vorstellen, sie noch einmal zu absolvieren, vielleicht im Winter und auch mit etwas dickeren Büchern. Beim nächsten Mal würde ich aber vorher noch genauer darauf achten, was ich für Bücher nehme. Werke wie „Des Teufels General“ sind vielleicht doch etwas schwermütig und anstrengend für so eine Challenge. Mein Tipp ist also: Eher ein Buch nehmen, von dem man weiß, dass es fesselnd und angenehm zu lesen ist, auch wenn es etwas dicker ist.

Ich möchte an dieser Stelle niemanden nominieren, weil man so eine Challenge wirklich wollen und die Zeit da sein muss. Wenn ihr sie aber macht, meldet euch. Mich interessieren wirklich eure Erfahrungen.

 

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2 Antworten zu Meine 7-Tage-Lesechallenge – Jeder Tag ein Buch

  1. Myna Kaltschnee schreibt:

    Wow, Glückwunsch für die geschaffte Challenge. Ich kann mir vorstellen, dass das ganz schön hart war. Vielleicht probiere ich das auch irgendwann mal aus. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass ich das wirklich schaffe …

    • cheshirepunk schreibt:

      Vielen Dank 🙂 Es war hart, aber eigentlich weniger hart, als ich es mir vorgestellt habe. Sag Bescheid, wenn du es auch ausprobierst. Wenn du es nicht ausprobierst, wirst du es nicht erfahren ^^ Du musst halt wirklich Zeit haben, vielleicht eher etwas für die Weihnachtszeit.

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