Schatten – Ein AfD-Märchen (frei nach H.C. Andersen)

Schatten - Ein AfD-Märchen

„Vor zehn Jahren konnte ich nachts als Frau noch allein von der Disco nach Hause gehen!“ – Bjön (eigentlich Bernd) Höcke

Es war einmal ein Gelehrter, der hieß Bernd. In Hamburg und im ganzen Land war er einst bekannt als Professor der Makroökonomiererei. Doch dann hatte er einen Traum. Bernd lief über eine grüne, grüne Wiese, pflückte kräftige deutsche Gänseblümchen, doch da hörte er ein Schnauben und ein Rufen. Eine schwarzhaarige Hexe ritt auf einem weißen Stier direkt auf ihn zu und erschreckte Bernd gar sehr. Der arme Ökonom warf vor Angst seinen Gänseblümchenstrauß in die Luft und rannte, als ob der Teufel in Gestalt des Euros mit den drei goldenen Haaren hinter ihm her sei.
Er wachte auf, von Angstschweiß durchtränkt, und wusste, was er zu tun hatte: Bernd musste eine Partei gründen. Da der Bernd in Geschichte immer gut aufgepasst hatte und nur ganz doll krank war, als die Zeit von 1933-1945 dran wurde, dachte er sich, dass so ein Merkantilismus ganz schön sei, und schrieb sich auf die Fahnen, sein geliebtes Vaterland in das Frankreich des 16. Jahrhunderts zurückzuführen.

Und, oh Wunder, es folgten ihm gar viele, die zwar keine Angst vor der Frau auf dem weißen Stier hatten, aber dafür umso mehr vor dem schwarzen Mann. Eines Tages war Bernd in einer Stadt, die Erfurt heißt; sie ist in einem Land, wo die Leute mit Türen ringen. Nachdem er dort eine seiner gar nicht populistischen Reden gehalten hatte, sank er erschöpft in seinem Hotelzimmer darnieder. Doch er wachte mitten in der Nacht auf und etwas zog ihn wie von Geisterhand an das Fenster. Genau hinter dem verglasten Rund des Fensters gegenüber sah er eine wohlgeformte deutsche Frau, die ihm schöne Augen machte. Der Gelehrte war ganz erschrocken, versteckte sich schnell wieder unter dem Fensterbrett. Nach einer Weile wagte er es, wieder hervorzuschauen, aber die dralle deutsche Schönheit war noch immer da. Also beschloss Bernd, seinen Schatten in das andere Haus zu schicken. Er entsendete ihn, wartete einen Moment, die Frau war tatsächlich verschwunden, und legte sich zufrieden wieder in sein Bett und schlief so gut, wie es sonst nur der deutsche Michel konnte.
Am nächsten Morgen weckte ihn sein Wahlkampfleiter. Bernd war frohen Mutes, reckte sich und bereite sich schon auf die nächste Rede vor, die er am Abend in der schönen Goethe-und-Schiller-Stadt Weimar halten sollte. Die Leute aus seinem Wahlkampfteam schauten ihn gar seltsam an, sagten aber nichts. Dann bemerkte der Gelehrte, dass er keinen Schatten hatte!!!11elf

Zunächst war Bernd wegen seines Schattens beunruhigt, aber merkte bald, dass dieser Nachwuchs und wenige Wochen später war er wieder ganz er selbst. Nach zwei Jahren klopfte es an seiner Tür. Bernd öffnete und vor ihm stand ein Mann mit blondem Haar und durchdringend blauen Augen, der Traum eines jeden Rassenideologen. Der Mann reichte dem Gelehrten die Hand und sagte, dass er sein Schatten sei und jetzt Björn hieße. Aber, liebe Leser, wie eitel war doch der Schatten; weiß doch ein jedes Kind, dass ein Schatten immer nach dem Spender geheißen wird. Der Schatten, der sich selbst Björn nannte, erzählte Bernd, wie es ihm ergangen war. Was er mit der wunderschönen deutschen Frau getrieben hatte, die ihm dann aber wegen eines gut gebauten schwarzen, jüdisch-muslimischen und homosexuellen Basketballspielers weggelaufen war. Danach hatte er mit einem Bären im Thüringer Wald gelebt, um dann als Lehrer in Hessen zu arbeiten. Doch jetzt, erklärte er, wolle er auch in Bernds Partei gehen und dort Politik machen. Der Schatten erzählte Bernd von seinen rassentheoretischen Vorstellungen, vom depressiven weißen Mann und den vermehrungsfreudigen Schwarzen. Der Gelehrte nahm diese Thesen mit befremden auf. Davon hatte er doch nie etwas gesagt, sprach die Lügenpresse vielleicht doch die Wahrheit, dass seine Anhänger seine Lehren falsch verstanden hatten? Der gelehrte Bernd nahm den Schatten jedoch zunächst an, weil er hoffte, dass er ihn so kontrollieren und dieser keinen Schaden anrichten könne.

Eines Tages kamen Bernd, sein Schatten und seine Anhänger an den Hof der Prinzessin Frauke. Prinzessin Frauke war schon lange in der Partei des Gelehrten und setzte dich dort für ganze viele Kinder ein, auf dass jede Frau zur Legehenne werde. Aber heimlich hatte sie auch Angst vor dem schwarzen Mann und Halbmonden und Krummsäbeln. Also traf sie sich heimlich mit dem Schatten und zusammen schmiedeten sie einen Plan, wie sie den Gelehrten loswerden können.

Am nächsten Morgen, als der Gelehrte im Bett frühstückte, verkündeten sie den Anhängern, dass der Gelehrte nur ein Schatten sei, nämlich der Schatten eines wahren Patrioten. Aber der Björn und die Frauke, so sagten sie von sich selbst, dass sie wahre Patrioten seien und echte Deutsche. Sie versprachen, gegen den bösen schwarzen Mann zu kämpfen, und die Anhänger jubelten und wandten sich voller Zorn gegen den Gelehrten. Der war jedoch bockig und beleidigt, sagte nur, dass Björn sein Schatten war, aber fast niemand glaube ihm, nur die Lügenpresse. Also floh Bernd aus dem Schloss und vor seiner Partei, um sich in einem dunklen Turm zu verstecken.

Und, liebe Leser, diese Geschichte ist wirklich wahr. Denn auch heute noch nennen die Leute den Schatten Bernd, da ein jeder weiß, von wem er stammt.

Ende

Mein Dank gilt der lieben Tinka, deren Bachelorarbeit mich zu dem Märchen inspiriert hat 🙂

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