[Blogroman – Death Desert] Kapitel 28 – Zwergorkisches Wiedersehen

»Du bist uns willkommen, Forgolax. Eine freudige Rückkehr nachdem wir dachten, dass du tot bist.« Der Zwerg brauchte einen Moment, bis er sich wieder gesammelt hatte. Nach ihrer Rettung waren die Zwerge mit den Wüstenkriegern zu ihrer Anführerin geritten, die diese nur vage als Mutter des Blutes bezeichneten. Sie hatten den Gestrandeten in diesem Punkt auch keine wirkliche Wahl gelassen, auch wenn es keine ausgesprochene Drohung gab. Forgolax erkannte aber bereits auf dem Ritt, dass sich hier vielleicht Optionen boten, die eine Verzögerung seiner Mission durchaus rechtfertigten: neue Informationen und Verbündete. Aber als er das kleine Orkmädchen auf dem Thron sah, verschlug es ihm die Sprache – und er hoffte inständig, dass sie damals nichts von seiner plötzlichen Abwesenheit im Kampf erfahren hatte.

»Toschka!« Ein Räuspern unterbrach ihn und der Zwergenspion verbesserte sich schnell mit strahlendem Gesicht: »Mutter des Blutes! Es ist mir eine Freude und Ehre, euch im Namen der Zwerge der Schwarzberge die Aufwartung machen zu dürfen. Mein Volk würde sich freuen, diplomatische Beziehungen zu unserer beiden Nutzen aufnehmen zu können.«

»Forgolax«, eine ihm unbekannte Gestalt trat seitlich an den Thron heran. Es war ein junger Mensch in den Roben eines Magiers. Er wirkte intelligent und ein wenig verschlagen, aber nicht bösartig. Ein Mann für Aufgaben, die einem höheren Wohl dienten. Solche mochte Forgolax ganz und gar nicht. »Meine Herrin hatte mir gar nicht berichtet, dass sie einst mit so einem hohen Diplomaten und Würdenträger der Schwarzbergzwerge bekannt ist.«

»Namian!«, maßregelte sie den jungen Zauberer, der auch ernsthaft überrascht und erschrocken wirkte. »Rede nicht so mit meinen Gästen!« Dem Angesprochenen bliebt nur eine zerknirschte Verbeugung vor Forgolax und Toschka, ehe er sich wieder zurückzog. Die junge Herrscherin wandte sich wieder fröhlich dem Zwerg zu: »Also, was war oder ist deine eigentliche Aufgabe hier? Ich nehme an, dass eure Landung nicht geplant war.«
Der Spion der Zwerge überlegte einen Moment, bis er zu dem Schluss kam, dass die Wahrheit hier wohl die beste Möglichkeit sei. »Ich arbeite für den Geheimdienst meines Reiches als diplomatischer Geheimdienstoffizier«, das war sogar gar nicht so weit weg von der Wahrheit, »und wir befanden uns als offizielle Gesandte auf dem Weg zu den Elfen des Waldes, genauer zu König Emeldil. Ein technisches Problem hat uns dann zu einem unplanmäßigen Halt gezwungen.«
Jetzt trat ein Wüstensohn hinter dem Thron hervor. Er entfernte das Tuch vor seinem Mund und sprach: »Es war kein technisches Problem. Magie war es, die euren Absturz verursachte. Anscheinend habt ihr einen mächtigen Feind und mindestens einen Verräter in euren Reihen. Aber es hat auch ein Gutes: Wir können jetzt davon ausgehen, dass jemand die Besessenen kontrolliert. Und«, der Mann machte eine bedeutungsschwangere Pause, »dass diesem jemand eure Mission so wichtig ist, dass er dafür sogar seine Deckung und damit größten Vorteil aufgibt.«

Forgolax fühlte einen inneren Zwiespalt in sich aufsteigen, weil sich nun seine Intention und die seiner Vorgesetzten bewahrheitete, andererseits gab es nun uneingeplante Mitwisser. Andererseits konnte er dem Rat, dessen Mitglieder momentan seine obersten Befehlshaber waren, erst recht nicht trauen. Er wollte bereits zum Sprechen ansetzen, als der Wüstensohn noch anfügte: »Es ist im Interesse unserer beiden Reiche, dass ihr uns wahrheitsgetreu den genauen Zweck eurer Reise mitteilt.«
»Das würde ich ja tun, wenn ihr mich auch mal reden ließet«, brummelte der Zwerg in Gedanken, sagte aber: »Das werde ich gerne tun – und übrigens ist bei uns Sitte, dass man als Erstes seinen Namen nennt, wenn man über sensible Informationen reden will.«
Ein leises Raunen ging durch den Saal, das Orkmädchen blieb aber gelassen und der Angesprochene lächelte und hob beschwichtigend die Hände. »Ihr habt natürlich recht, Meister Zwerg, ich bin in solchen Dingen noch leider etwas unerfahren. Mein Name lautet Rasim und ich bin die rechte Hand der Mutter des Blutes.«

Der Zwerg sagte: »Nun denn, wäre es noch schön, wenn wir über solche Dinge unter den Augen von möglichst wenigen Leuten sprechen würden.«
Toschka verdrehte leicht die Augen und schickte alle außer Rasim und Namian aus dem Saal. Leicht genervt fragte sie dann den Spion: »Können wir jetzt reden?«
»Ja!«, Forgolax nickte zufrieden. »Ich will es kurz machen: Vor wenigen Tagen wurde ein tödlicher Anschlag auf unseren nun ehemaligen König verübt. Es war ein Elfenpfeil. Der Rat, unsere einstweilige Zwischenregierung, bis ein neuer König gewählt ist, plant schon einen Feldzug gegen die Elfen des Waldes. Meine Vorgesetzte und ich glauben jedoch nicht an eine Beteiligung der Elfen an dem Anschlag, also wurde ich in vorgeblich diplomatischer Mission zu ihnen geschickt, um Beweise zu sammeln – natürlich möglichst, bevor die Kriegsvorbereitungen abgeschlossen sind.«
Rasim klatsche freudig in die Hände: »Dann ist es wohl kein Problem, wenn ich mich eurer diplomatischen Mission anschließe, um Kontakte im Namen der Mutter des Blutes am Hof des Elfenherrschers zu knüpfen?«
Toschka antwortete, bevor Forgolax es konnte: »Das ist es mitnichten, mein lieber Rasim.«

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