[Blogroman – Death Desert] Kapitel 27 -Für die Armen und Schwachen!

Auf den Straßen Draa’alans herrschte die Verzweiflung. Überall sah Xarela die trostlosen und verstörten Gesichter der besitzlosen Flüchtlinge. Sie waren aus den gefallenen Wüstenstädten gekommen. Egal, welche Rasse, welches Alter oder Geschlecht sie besaßen, egal, wie reich und mächtig sie einst gewesen sein mochten, hier auf der Straße der Stadt der Krieger waren sie alle gleich. Die Elfenkriegerin hatte sich einer Gruppe ihrer Ordensleute angeschlossen, die notdürftig für Schutz unter den Gestrandeten sorgten, denn die Herren dieser Stadt kümmerte sich nicht. Sie gewährten den armen Seelen Schutz, ganz wie es ihre Kriegertradition verlangte, aber für sein Überleben musste ihrer Vorstellung nach ein jeder selbst sorgen. Am Tag ihrer Ankunft hatte Xarela Raslan den Geschickten gefragt, wie sie die vielen Hungrigen versorgten. Seine Antwort lautete: »Gar nicht. Die Magier teleportieren Tag und Nacht Essen in die Stadt.«
»Und euch kümmert das ganze Leid und Elend gar nicht?«
»Der Meister der Waffen meint, dass wir uns auf den Kampf gegen die Verdammten konzentrieren sollen, damit die Flüchtlinge schnell wieder zurück in ihre Heimat können.«
»Aber wenn ihr sie nicht versorgt, wird es niemanden geben, der zurückkehren kann.«
»Die Stärksten werden überleben und ansonsten bin ich auch der Meinung, dass das keine Aufgabe für Krieger ist. Man hat für sich selbst zu sorgen. Es ist deine Sache und die von euresgleichen, wenn ihr euch gegen den Lauf der Natur und  Zeit stellen wollt.«
Mit diesen Worten hatte er sie mitten in der Stadt vor dem Ordenshaus des silbernen Halbmondes stehen gelassen. Ihre Brüder und Schwestern waren ständig unterwegs, um die Streitigkeiten unter den Flüchtlingen zu schlichten, aber besonders, um diese vor eben jenen zu schützen, die sich auf Kosten der Heimatlosen bereichern wollten – Hehler, Räuber, Erpresser und Menschenhändler. Die Kriegerherren der Stadt ließen diese Elemente sich selbst regulieren, solang sie ihnen nicht in die Quere kamen.

Erst letzte Nacht hatte sie gemeinsam mit einem Orkkrieger aus ihrem Orden einen Menschenhändlerring gesprengt, der nachts junge Mädchen und Knaben von der Straße entführt hatte, um diese an die weitläufige kriminelle Unterwelt der Stadt zu verkaufen. Den Tipp hatten sie von einer Zwergenfamilie bekommen, die aus einem Gebäude letzte Nacht Schreie gehört hatten. Der Ork, Grumbarok lautete sein Name, rannte die Tür einfach ein, um sofort mit seiner massiven Axt Schläge auszuteilen, die blutige Ernte unter dem verdutzten Abschaum hielten. Xarela stürmte hinterher mit erhobenem Speer und warf eben jenen einem Bandenmitglied in den Rücken, das eine Treppe hinauf flüchten wollte, um über die Flachdächer in Sicherheit gelangen zu können. Sie traf ihn von hinten in die Leistengegend, sodass die Elfin ihm eine zweite Hinterpforte bescherte. Getroffen wand sich der junge Menschenkrieger schreiend auf den Stufen, während sein Blut in unglaublichen Quantitäten die Stufen hinablief. Die elfische Kriegerin zog ihr Schwert und orientierte sich neu in dem zwielichtigen Raum, der nur von einer kleinen Öllampe ausgeleuchtet wurde. Er stand mit etwa einem Dutzend Feldbetten voll, auf denen Jungen und Mädchen verschiedener Rassen festgebunden waren, die meisten davon unbekleidet. Grumbarok hatte bereits weitere Feinde gefällt, sodass nur noch ein Zwerg mit gestutztem grauen Bart auf sie zukam, jedoch wohl eher, um zu fliehen als zu kämpfen. Ohne Mühe ließ sie die Axt des kleineren Kämpfers an sich vorbeiziehen und hieb ihm dafür mit der Klinge wie nebenbei im Vorbeigehen in den Nacken, was den Graubart sofort zu Boden gehen ließ. Der Mensch mit dem Speer im Hintern war bereits verstummt, der Blutverlust hatte ihm ein langsames und schmerzhaftes Ende beschert.

Die Kinder auf den Betten reagierten gar nicht darauf, als Xarela und der Ork sie losbanden. Reglos schauten sie an die Decke, offensichtlich durch starke Drogen ruhiggestellt. »Ein guter Kampf!«, tönte es vom Eingang her. Die Elfin und Grumbarok wirbelten herum. Raslan stand mit einigen seiner Kumpanen lässig im Eingang. »Ja, und ihr habt ihn verpasst!«, grunzte der Ork zwischen seinen ausladenden Hauern zurück, bevor er sich wieder daran machte, vorsichtig die Fesseln an den beinen eines etwa fünfzehn Sonnenzyklen alten Menschenmädchens aufzuschneiden.
»Wir sind zu spät gekommen«, seufzte Raslan halbaufrichtig. »Dann könnt ihr ja jetzt helfen, die Kinder in Sicherheit zu bringen«, schnauzte Xarela genervt zurück.
»Wir sind doch keine Aufpasser für Kinder!«, ließ ein Begleiter Raslans aufgebracht verlauten. Das reichte der Elfin. Ihr Schwert ziehend forderte sie den aufgebrachten Krieger heraus. Ein junger Mann trat mit einem Bastardschwert hervor und streckte Xarela die Klinge zum Gruß entgegen. Sie schnaubte nur und ging zum Angriff über. Xarela versuchte erst gar nicht den wuchtigen Hieben des schwereren und längeren Schwerts auszuweichen, sondern unterlief einfach die Klinge im passenden Moment, tauchte geschwind wieder vor ihrem Widersacher auf, während sie die Klinge mit einem Rückhandbogen gegen seinen Hals führte. Ihr Gegner sprang behände zurück, aber es war zu spät. Aus einem klaffenden Schnitt in der Kehle des Mannes sprudelte bereits lebhaft das dunkelrote Nass. Seine Hände auf die Wunde pressend ging der Getroffene zunächst gurgelnd in die Knie und brach einen Augenblick später komplett zusammen. Raslan legte den Kopf schief, sah Xarela und fasste sich dann wieder und wandte sich seinen Begleitern zu: »Ihr habt die mächtige Kriegerin gehört, oder möchte noch jemand die Dame herausfordern?«
Sie schwiegen und machten sich an die Arbeit.

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