[Blogroman – Death Desert] Kapitel 25 – Kriegsvorbereitungen

»Ich wünsche, dass Ihr und eure Männer gegen die Fresserplage in den Wüstenstädten vorgeht!« Abschätzend blickte Toschka von ihrem Thron, den sie gegen die Kissen eingetauscht hatte, was wiederum ein Rat Namians gewesen war, auf die kniende Gestalt Al-Wahalims herab. Der Wüstensohn hielt den Blick gesenkt und schwieg. Erst als Namian, der schräg hinter dem Thron der Mutter des Blutes stand, sich räusperte, begann der Kniende zu sprechen, wobei er den Kopf nicht hob, um sie anzusehen: »Geheiligte Mutter des Blutes, ist es eurem unwürdigen Sohn gestattet, seine Meinung zu diesem Befehl«, er betonte das Wort auf eine fast beleidigende Art und Weise, »kundzutun?«

Toschka war überrascht und nickte fahrig, während sich Namians Blick vor Unwillen verdunkelte. Das zunächst gute Verhältnis zwischen ihnen hatte sich merklich abgekühlt, als Al-Wahalim bemerkt hatte, dass Namian Toschka von seinem Einfluss entfremdete und selbst immer mehr davon ausübte. Der Wüstensohn glaubte, dass jemand aus seinem Volk, am besten er selbst, dessen Anführerin beraten sollte.

Eine Weile herrschte Schweigen im Saal, da Krieger mit dem gesenkten Kopf nicht das Kopfnicken sehen konnte, bis Toschka ihren Fauxpas ihren Fehltritt bemerkt hatte und ihn mit einem heiseren »Sprecht!« die Erlaubnis zum Reden erteilte. Er blickte ihr in die Augen und führte aus:» Wenn wir euren Befehl ausführen, werden unsere Truppen geschwächt sein. Gerade jetzt sind die freien Städte so angreifbar wie nie. Wir könnten auch einfach warten und Truppen der Städte und die Fresser sich gegenseitig aufreiben lassen. Ein Angriff auf die Besessenen würde nur den Städten in die Hände spielen.«

»Ich wünsche nicht die Herrscherin über Geisterstädte zu werden und am Tod tausender Unschuldiger die Verantwortung zu tragen!« Namian war Stolz auf Toschka, sie sprach nach vielen mühsamen Rhetorikstunden wie eine wahre Herrscherin.

»Ihr seid eine Verräterin an unserem Volk und eine Hochstaplerin!«, zischte Al-Wahalim dem Orkmädchen entgegen. Die Anwesenden im Saal begannen ihre Stimmen zu erheben und der Akolyth zog schnell einen magischen Schutzschild um den Thron auf, während er den Wachen mit einem Kopfnicken Befehl gab. Ein halbes Dutzend Mann kamen auf den Aufrührer zu und rangen ihn zu Boden. Sie fesselten ihn und einer hing ihm ein Amulett um den Hals, dass seine magischen Fähigkeiten blockierte.

Rasim, sein ehemaliger Liebhaber und Gefährte, der die Leibwache der Mutter des Blutes befehligte, eine Stellung, die Al-Wahalim ihn zugänglich gemacht hatte, führte ihn persönlich in ein Verlies, das eine kleine natürliche Kaverne war, die man umgebaut hatte. Der ehemals hoch angesehene Wüstensohn zeterte immer noch: »Sie ist eine Betrügerin und Verräterin, siehst du das nicht? Was haben sie und ihr Totenbeschwörerknecht dir versprochen? Du denkst nur an dich und nicht an dein Volk!«

An der Zelle angekommen, wandte sich Rasim ruhig seinem ehemaligen Freund zu: »Sie ist keine Betrügerin, ich habe selbst gesehen, was sie vollbracht hat und kenne die Prophezeiung genauso gut wie du. Dort steht nichts von der Eroberung von Städten. Du bist nur wütend, weil sie sich nicht mehr bevorzugt. Jeder am Hof weiß das…« Al-Wahalim unterbracht ihn mit einem Schnauben: »Hof? Hat man je gehört, dass die Wüstensöhne Hof halten?« Der Kommandant der Leibgarde lächelte: »Hat man je vorher von einer Mutter des Blutes gehört? Ich teile auf jeden Fall ihre Vision, und wenn einer ein Egoist ist, dann bist du das. Das warst du schon immer!« Mit diesen Worten verpasste er dem Gefesselten eine schallende Ohrfeige, die ihn in die Zelle beförderte, und schloss die Zelle.

»Du kannst dich übrigens gern befreien!«, rief Rasim beim Weggehen. »Die Zelle ist magisch gesichert, also tu dir keinen Zwang an!«

»Du musst ihn hinrichten lassen«, sprach Rasim eindringlich auf Toschka ein. »Im Gefängnis oder in der Verbannung ist er viel zu gefährlich. Wir wissen nicht, wie viele Freund er noch hier und da draußen hat!«

»Eine Hinrichtung könnte aber auch als Angst und Schwäche ausgelegt werden«, warf Namian ruhig ein.

»Es wäre ihr erster Befehl zu einer Hinrichtung. Man würde es als Beispiel für andere sehen, die seinem Beispiel folgen wollen«, auch der Kommandant hatte sich wieder ein wenig beruhigt und seinen Tonfall gemäßigt.

»Ihr meint also, wir würden hier einen Präzedenzfall schaffen? Damit impliziert ihr, dass es noch weitere Gegner Toschkas geben könnte?«, fragte Namian besorgt.

Rasim beschwichtigte: »Nein, das glaube ich nicht. Zumindest keine, die man ernst nehmen müsste. Aber, wenn…« Toschka unterbrach ihn mit einer erhobenen Hand und fragte kühl: »War es unter den Söhnen der Wüste nicht früher üblich, dass ein Gefangener geopfert wurde, bevor sie in den Krieg zogen?«

Ihre beiden engsten Vertrauten sahen sie überrascht an. Rasim ergriff als Erster das Wort: »Das ist richtig, aber unser Volk tut das schon seit Jahrhunderten nicht mehr.«

»Warum sollte dann nicht die Mutter des Blutes diese Tradition wieder einführen. Immerhin würde das doch der Name hergeben, oder nicht?«, fragte sie in einem leicht süffisanten Ton. Die beiden Ratgeber schauten sich ein wenig unwohl an, aber nickten dann.

»Gut!«, Toschka klatschte in die Hände. »Dann wird Al-Wahalim hingerichtet werden, wenn meine Söhne gegen die Fresser ziehen. Jetzt wollen wir aber erst einmal essen!«

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