[Blogroman – Death Desert] Kapitel 23 – Entscheidungen

Forgolax spielte unschlüssig mit dem Henkel seines Bierkruges. Er saß wieder in seiner Lieblingskneipe, morgen sollte er ausrücken – gegen die Elfen des Waldes, um den Assassinen zu finden und die Verteidigung und Armee der Waldbewohner auszukundschaften. Das Problem war nur, dass er erstens nicht an die Waldelfen als Täter glaubte, und zweitens keine Lust hatte, zum Spielball irgendwelcher Zwergenadliger zu werden, die nur einen Vorwand zum Krieg spielen suchten, sowie den zwergischen Händlern und Handwerkern, die sich bereits bei den zu erwartenden Profiten die Hände rieben. Und das waren noch nicht alle Spieler. Irgendwo gab es Leute, die von einem Krieg zwischen Elfen und Zwergen profitierten und dabei über Königsleichen gingen. Wenn er desertierte, wäre er heimatlos. Das wäre ihm von der emotionalen Seite her ziemlich egal, aber wo sollte er hin? In der Wüste gab es die Seuche und sonst hatte man wenig Verwendung für einen Zwerg mit seinen Talenten. Den Dienst quittieren hätte ähnliche Konsequenzen und würde ihm sein ganzes, angespartes Vermögen kosten, da er sich noch für hundertfünfzig Jahre verpflichtet hatte. Höchstens eine Person konnte ihm noch helfen.

Das Gesicht der Zwergin vor ihm schien ständig zu verschwimmen und keine Konturen zu besitzen. Forgolax hatte sich daran schon gewöhnt und heftete seinen Blick auf die Bluse über dem üppigen Busen der Zwergenfrau, die dafür umso schärfer zu erkennen waren. Der Grund war, dass sich Elka Hammerfaust, die Chefin des zwergischen Geheimdienstes, Runen der Täuschung unter die Haut hatte transplantieren lassen. Diese schmerzhafte, teure und langwierige Prozedur hatte offensichtlich für einen Agenten im Feld maßgebliche Vorteile, aber es gab auch Gerüchte, dass Elka in ihrer Kindheit einen Säureunfall oder eine entstellende Krankheit gehabt haben soll. Forgolax war es ziemlich egal. Die Frau war seine einzige Möglichkeit, seine Unabhängigkeit zu bewahren, nicht ein willenloser Diener zu sein und nicht der Armut anheim zu fallen. Es war ein Risiko, denn sie konnte ihm auch wegen Verrat und Befehlsverweigerung den Prozess machen. Dennoch war die Zwergin eine überzeugte Patriotin, aber nicht dumm – und er wusste auch, dass sie es hasste, für eine Idiotin verkauft zu werden.

»Ich habe mich schon gefragt, wann du endlich zu mir kommen würdest, um ein Vorgehen zu besprechen, wie man dem Regisseur dieser Vorstellung wirklich die Gage streichen kann« Ihre Stimme klang wie eine Feile, die über Kalkstein gezogen wird, und die Geheimdienstchefin liebte es, in mehr oder weniger gelungenen Metaphern zu sprechen.

Forgolax erwiderte vorsichtig: »Ihr hättet mich auch jederzeit rufen können, Frau General«

Elka amüsierte sich: »Lass die Förmlichkeiten, Forgolax. Sie kleiden dich wie ein Elfenkleid einen Troll« Forgolax schaute kurz an die Decke, damit sie nicht sah, wie er die Augen genervt verdrehte. Sie fuhr fort: »Ich kann wohl kaum einen höchst verdächtigen und unbeliebten Agenten einbestellen, um offiziell Ermittlungen gegen Zwergenadlige und deren Partner in Wüste und Wald einzuleiten« Sie machte eine kurze Pause, um die Wörter wirken zu lassen: »Wenn natürlich ein Agent aus freien Stücken zu mir kommt, weil er über eine Gehaltserhöhung verhandeln will, steht ihm meine Stube jederzeit offen«

Forgolax nickte langsam: »Selbstverständlich, Fräulein Hammerfaust…Was glaubt ihr, wer die Drahtzieher sind. Wer profitiert von dem Krieg, wenn die Zwerge und Elfen Krieg führen, während in der Wüste eine Seuche wütet?«

Die Zwergin schwieg einen Moment und holte eine Metallmappe aus der Schublade ihres Schreibtischs. Sie zog ein Blatt Papier hervor, das bei den Zwergen aus getrockneten Pilzfasern hergestellt wird, schaute kurz drauf und sagte: »Wusstest du eigentlich, dass die Seuche in der Wüste nicht natürlichen Ursprungs ist?«

Die Augen des Zwergs weiteten sich, als ihn die Erkenntnis traf.

Elka lachte, was sich anhörte, als ob die besagte Feile zerbrochen wäre: »Du weißt, was du zu tun hast« Forgolax nickte und wollte sich schon zum Gehen wenden, als sie sich noch einmal an ihn wandte: »Übrigens verdienst du ab heute ein Goldstück mehr am Tag und wurdest befördert. Herzlichen Glückwunsch, Leutnant!«

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter [Blogroman] Death Desert abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s