[Blogroman – Death Desert] Kapitel 22- Die Mutter des Blutes

Geschäftiges Treiben herrschte in den Gängen rund um den Zugang des Wurmes. Immer mehr von den dunkelblaugekleideten Söhnen der Wüste trafen ein und bevölkerten die Gänge. Den Flüchtlinge, die als Zeugen der Mutter mit großem Respekt behandelt wurden, brachten die Wüsteneingeborenen edelste Speisen und Getränke dar, sowie Toschka, der Mutter selbst. Al-Wahalim hatte ihnen die Prophezeiung erklärt, nach der die Mutter des Blutes alle Wüstensöhne einigen würde. Es war wohl überliefert, dass sie kein Mensch sei, im Bauch des Wurmes gefunden werden würde, während die Wälder sie bedrohten, und dass sie Feuer aus ihren Händen schleudern und mit ihrem Blut Wasser beschwören könne.

Namian hatte in Al-Wahalim, den er zunächst für einen ungebildeten Fanatiker gehalten hatte, einen guten und interessanten Gesprächspartner gefunden. Das Wissen der Magier der Wüstensöhne um das Wesen der Magie war erstaunlich fundiert und tiefgreifend, auch wenn sie sich anderer Begriff und Grundlagen bedienten. Der Akoluth grübelte gerade über ihre letzte Diskussion über den Energieerhaltungssatz der magischen Ströme nach, als er auch die Kaverne erreichte, die kurzerhand und vorübergehend zu Toschkas Thronsaal erklärt worden war. Die vermummten Wachen am Eingang schauten ihn nur flüchtig an und zogen dann die schweren, roten Brokatvorhänge zur Seite, um ihn einzulassen. Der Boden war mit Teppichen ausgelegt und an den Wänden glühten Kohlepfanne, die ein dämmriges Licht und süßliche Gerüche verbreiteten, die von den Hölzern stammten, die in ihnen verbrannt wurden. Toschka saß auf einem dick gepolsterten Kissen, umringt von einer Schar Dienerinnen und Wachen, die versuchten ihr jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Sie selbst schien von diesem Aufheben um ihre Person nicht viel zu halten, wie Namian ihrem Gesichtsausdruck entnahm. Es entlockte dem jungen Magier ein Lächeln, als er bemerkte, dass dieser Umstand ihre Untergebenen noch mehr dazu verleitete, sie um ihrer Wünsche Willen zu bedrängen.

»Wenn du willst, dass sie dich in Ruhe lassen, musst du ihnen zu verstehen geben, dass alles in Ordnung ist«, begrüßte er sie. Das junge Orkmädchen wirkte nicht überzeugt und nickte, als ob sie ihn zwar verstanden hatte, aber nicht seiner Meinung war.

»Bitte lasst uns alle allein!«, rief sie halblaut in den Raum.

Die Wachen und Dienerinnen schauten einen Moment irritiert, folgten aber dann ihrem Befehl, während Toschka ungeduldig mit den Fingerspitzen auf ihrem Knie trommelte. Als sie alleine waren, stand das Orkmädchen auf und richtete sich an Namian: »Weißt du, was sie vorhaben?«

»Dich zur Königin zu machen?«, antwortete er spitzbübisch.

»Ich wünschte, es wäre nur das. Sie wollen, dass ich sie gemeinsam gegen die freien Wüstenstädte führe!«

Namian überraschte diese Aussage, aber erstaunte sie auch nicht. Nach kurzem Zögern sagte er: »Nunja, in ihrer Prophezeiung steht, dass du sie in die Freiheit führen wirst…« Der Magier stockte einen Moment und fügte hinzu: »Ich gebe zu, dass diese Aussage viel Raum für Interpretationen lässt, aber du musst zugeben, dass einiges dafür spricht, dass du ihre Auserwählte Mutter des Blutes bist«

»Kann schon sein, aber diese Leute sind mir nicht geheuer. Vater hat mir Geschichten von ihnen erzählt, wie sie Händler angriffen haben«

»Dein Vater ist aber tot, die Zeiten haben sich radikal geändert. So etwas wie die Fresser gab es noch nie. Und was die überfallenen Händler angeht: Es gibt von jeder Geschichte zwei Seiten, wie mein Meister zu sagen pflegte«

»Nehmen wir einmal an, dass meine Truppen«, sie machte bei diesen Worten ein Gesicht, als hätte sie auf etwas saures gebissen »gegen die Städte siegreich wären. Das würde auch die Magierakademien betreffen. Was wird aus den ganzen Einwohnern?«

Namian berührte das aufgebrachte Orkmädchen sanft an der Schulter: »Es wird deine Aufgabe sein, diese Schrecken zu verhindern. Du wirst aus dieser Rolle nicht herauskommen. Wenn du dich zurückziehst, werden Radikale in deinem Namen handeln. Ich rate dir: Nimm deine Rolle an, sichere deine Kontrolle und schenke den Wüstensöhnen Siege. Das ist der Weg der Mitte, des Ausgleichs, der Harmonie zwischen Leben und Tod«

»Gut, aber dann will ich, dass du als fester und oberster Berater an meiner Seite bleibst!«

Namian verbeugte sich knapp mit einem Lächeln: »Wie ihr befehlt, Mutter des Blutes!«

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