[Blogroman – Death Desert] Kapitel 21 – Ruinen

Nachdem Xarela den Dünenkamm erklommen hatte, sah sie in der nächsten Senke eine Ruinenstadt. Die verfallenen Gebäude waren nur wenige hundert Schritt weit entfernt und gruppierten sich um eine Oase. Die Elfenkriegerin verschaffte sich einen Überblick. Es war nicht zu erahnen, wie viele Personen hier einst gelebt hatten. Sie machte die Umrisse von etwas drei Dutzend Häusern aus, die aber eine sehr große Grundfläche besaßen, außerdem standen nur noch die Grundmauern und höchstens ein Architekt hätte herausfinden können, wie viele Stockwerke die Gebäude einst hatten. Xarela rutschte den stark geneigten Dünenabhang entlang, der nur wenige Schritte vor den ersten Gebäuden der Geisterstadt endete. Bevor sie die ersten Gebäude passierte, hielt sie eine innere Eingebung kurz zurück, aber sie brauchte das Wasser aus der Oase.

Nachdem sie das erste Haus passiert hatte, fühlte sie sich, als ob sie eine andere Welt oder Raum betreten hätte. Sie glaubte, beobachtende Blicke von allen Seiten auf sich ruhen zu haben, aber solang sie sich auch umsah, sie erspähte und hörte kein Anzeichen von Leben oder Bewegungen. Je näher sie der Oase kam, desto besser erhalten waren die Gebäude. Die Türeingänge waren riesig und passten zu keiner ihr bekannten intelligenten Spezies, die in der Lage gewesen wäre, solche Gebäude zu errichten. Auch die Winkel der Türrahmen und Mauerkanten wirkten irgendwie falsch, aber wenn Xarela sie sich genauer anschauen wollten, schienen sie vor ihren Augen zu verschwimmen und drückender Schmerz machte sich hinter ihren Augen breit, der verschwand, sobald sie sie Augen abwendete. Die Elfin zog ihr Schwert und beeilte sich, zu dem Gewässer zu kommen, um den Ort so schnell wie möglich verlassen zu können.

Das Wasser war kristallklar und roch unauffällig, als Xarela mit der Hand durch das kühle Nass an dem flachen Ufer strich. Sie träufelte sich eine hohle Hand voll über ihr erhitztes Gesicht und genoss die leichte Kälte und den leicht süßlichen Geschmack, als ihr einzelne Tropfen in den Mund liefen. Das beklemmende und ungute Gefühl war plötzlich wie weggeblasen und sie schalt sich selbst für ihre überzogenen, hysterischen Gedanken und entkleidete sich, um in dem kühlen See schwimmen zu gehen. Das Licht der Sterne spiegelte sich auf ihrer blassen Elfenhaut, die nur an den Vorhöfen und zarten Nippeln ihrer für Menschenverhältnisse kleinen Brüste etwas dunkler war.

Mit ein paar kräftigen Zügen, war sie schon hundert Schritte weit vom Ufer entfernt und konnte immer noch stehen. Sie blieb an der Stelle und begann sich ausgiebig mit der Hand zu waschen. Der Mond war schon ein ganzes Stück weiter gerückt, als sie beschloss wieder zu ihren Habseligkeiten zurück zu kehren. Als sie sich der Stelle am Ufer näherte, wo sie ihre Sachen abgelegt hatte, sah sie die selbigen nicht mehr. Panisch drehte sie sich im Kreis, ihr Atem ging schnell und stoßweise, die schwarzen Haaren klebten auf ihren Schultern und die Brustwarzen der Elfe stellten sich hart in der Kälte der Nacht auf. In einem Hauseingang in der Nähe sah sie eine Bewegung. Sie näherte sich der Stelle und aus der leeren Türpforte trat wie aus dem Nichts ihr geliebter Effariel. Lächelnd hielt er das Bündel mit ihrer Kleidung und dem Schwert in seiner Hand.

»Ich glaube, du hast etwas vergessen. Du solltest wirklich besser auf deine Sachen aufpassen«, belehrte er sie in einem schmunzelhaften Ton. Tränen des Glücks rannen in Xarelas Augen und sie stolperte unbeholfen auf ihn, um dann zu stoppen, als ihr Geliebter lachend ihr eigenes Schwert zog.

Sie wich leicht zurück und fragte verzweifelt: »Was soll das?«

Fast gelangweilt antwortete er: »Du liebst mich doch, also wirst du doch gern für mich sterben. Ich habe diese ganze Katastrophe für uns ausgelöst und was tust du? Gibst dich mit Fremdblütern ab? Du hast dich für die falsche Seite entschieden, ich kann dir nicht mehr trauen!« Seine Stimme war immer lauter, hysterischer und boshafter geworden, während er mit dem Schwert immer näher kam, das er zum Schlag erhoben hatte. Xarela stolperte wieder in Richtung des Sees zurück. Sie stand am Ufer und das Wasser bedeckte bereits ihre Knöchel und Effariel befand sich nur noch wenige Schritte vor ihr, mit vor Wut verzerrtem Gesicht und erhobenem Schwert, als ein peitschenartiker Tentakel aus dem See hinter ihr an ihrer Schulter vorbeizuckte und den Elfen mit einem Schlag enthauptete. Xarela kreischte auf und wollte zur Leiche ihres Effariel eilen, aber weitere Tentakel schlangen sich um ihre Arme und Beine, hielten sie an ihrer Position. Dann kamen die Stimmen. Sie waren männlich und weiblich, elfisch, menschlich, zwergisch, orkisch, draunisch und nicht von dieser Welt: »Wir wissen was du willst!«

Visionen zuckten durch Xarelas Geist. Wie Effariel die Diener im Palast mit einem Trank vergiftete, die sich daraufhin in Fresser verwandelten. Andere Wüstenstädte, die von den Fressern überrannt wurden. Sie sah sich selbst, wie sie vor einer Armee aus allen ihr bekannten Rassen und Tentakeldämonen stand. Ein Kind, ihr Kind, in ihren Armen, das aber kein reiner Elf war.

Die Visionen endeten, aber noch immer befand sich am Ufer, gefesselt von den Tentakeln.

»Weihe uns dein Leben und du bekommst was du möchtest« Sie schrie nur wütend zur Antwort und versuchte sich von den lebendigen, schleimigen Fesseln zu befreien. Dann sprach noch einmal die Stimme: »Sie ist nicht bereit!«

Xarela erwachte im Morgengrauen am Ufer der Oase. Sie trug ihre Kleidung und war trocken, das Schwert lag in ihrer Hand, von der Leiche Effariels war keine Spur zu sehen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter [Blogroman] Death Desert veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s