[Blogroman – Death Desert] Kapitel 14 – Wurmloch

Sie fielen und fielen und fielen. Eine halbe Ewigkeit lang, wie es Xarela vorkam, und sie umklammerte den kleinen Mykael an ihrem Hals, suchte einen Bezugspunkt, während eine verwaschene, sandig-braune Umgebung an ihnen vorbeizog, die sich immer mehr zu einem lilafarbenen Farbton hin entwickelte. Unter, neben und über sich sah sie beunruhigenderweise auch keine sonstigen Leute aus ihrer Gruppe und auch das Knochengefährt schien verschwunden zu sein. Der Fall dauerte noch immer an und die Elfin hatte genug Zeit, um ihre Gedanken ordnen zu können. Sie saß mit Sardiz auf dem Kutschbock und wollte ihn gerade fragen, wie er das mit der »Regenmacherin« gemeint hatte, als sie ein leises »Au!«hinter sich hörten, eine tiefe, aber zugleich junge Mädchenstimme. Als sie sich nach der Ursache des Geräusches erkundigen wollte, hatte sie plötzlich dieses hohle Gefühl im Magen, wenn man keinen Boden mehr unter den Füßen hat. Sie fielen in einen plötzlich klaffenden Schlund mitten im sandigen Untergrund, dann waren sie in diesem Loch.

Xarela sah ein dunkelblaues Licht unter sich, das schnell größer wurde. Und viel aus dem Tunnel in einen unterirdischen See, der von blauleuchtenden Kristallen umgeben war. Sie sah das zerschmetterte Gefährt und die Leute aus ihrer Gruppe am Ufer stehen, bevor die Elfin in das angenehm kühle Wasser eintauchte. Mit den Armen hielt sie Mykael fest, der in erschrockener Panik um sich schlug und brachte sie beide mit kräftigen Schwimmbewegungen ihrer Füße wieder an die Oberfläche. Keuchend durchbrachen die Elfenkriegerin und der Menschenjunge die Wasseroberfläche, nicht weit von Isschak und Namian entfernt, die bereits angeschwommen kamen, um ihnen zu helfen. Der Draun packte sich den Jungen auf den Rücken und machte sich mit elegant schlengelnden Schwimmbewegungen auf dem Weg ins Ufer, während Mykael auf seinem Rücken ritt und sich wohl vorstellte, auf einem riesigen Seeungeheuer zu schwimmen, wenn er bereits wusste, was das war.

Namian durchquerte neben Xarela das Wasser, der häufig nach Luft schnappte, sodass sie sich bereits Gedanken machte, ihn retten zu müssen. Trotz seiner Schwimmprobleme ließ es Namian sich nicht nehmen, loszureden:

»Meister Sardiz und alle vollwertigen Magier sind Tod.« Er tauchte kurz unter und dann wieder mit lauten Atemzügen auf: »Der Rest hat überlebt!«

Als er das sagte und sie dem Ufer näher kamen, konnte sie nun auch erkennen, dass sich nicht alle Gestalten am Festland mehr rührten.

»Wie kann das sein?«, fragte sich Xarela. Sie hatte die Frage wohl laut ausgesprochen, denn Namian antwortete: »Vermutlich haben sie einen Zauber gewoben, um den Rest von uns, insbesondere den Zwerg, zu schützen. Vielleicht war es auch nur Zufall oder Schicksal!«

»Glaubt ihr an Zufall oder Schicksal?«

Der junge Akolyth antwortete nicht und schwieg, bis sie ans Ufer wateten. Tatsächlich waren die meisten durchnässt und wohlauf, während einige Robenumhüllte Körper über die Höhle verteilt lagen, aus denen Blut sickerte.

Xarela packte den jungen Akolythen am Arm, der sich wieder entfernen wollte: »Wo sind wir hier? Was ist das hier?«

Namian zuckte mit den Schultern: »Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass es ein Wurmloch ist«

Isschak, der in der Nähe stand, schaltete sich ein: »Das ist doch nur eine Legende«

Der Zauberlehrling widersprach: »Nein. Der Rat der Wüstenstädte und die Dekane der Universitäten haben sich nur darauf geeinigt, sie vorerst als solche zu Bezeichnen, um Glücksritter und Händler, die Abkürzungen suchen, abzuhalten«

Xarela zog die Augenbraue hoch: »Und was ist ein Wurmloch?«

Namian holte tief Luft, als ob er sich auf einen langen Vortrag vorbereiten wollte: »Woher sie kommen weiß man nicht genau. Manche sagen, dass sie natürlich entstanden sind, andere, dass sie von alten, intelligenten und magisch begabten Riesenwürmern gegraben wurden – oder sie gar diese Würmer selbst sind, die entweder tot sind oder schlafen. Keine schöne Vorstellung in einem magischen, schlafenden Riesenwurm zu sein, wenn ihr mich fragt. Anscheinend verzerren die Dinger die Realität, als für alles, was in ihnen ist. Es sind Menschen nach Jahrzehnten wieder aus einem Wurmloch aufgetaucht, die keinen Tag gealtert sind«

»Und diese Dinger tauchen einfach so im Wüstenboden auf?«

»Naja…«, Namian schaute die Elfin und den Draun ernst an: »Das ist der Punkt. Jemand muss magisch geöffnet haben.«

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