[Blogroman – Death Desert] Kapitel 12 – Rettung

Es kam Xarela wie eine Erscheinung vor, als der Wagen die Reihen der Fresser durchpflügte. Der Druck der Leiber ließ nach, was von einem feuchten Knacken der Knochen ihrer Widersacher begleitet wurde. Das Gefährt fuhr auf sie zu, aber die Gefahr der besessenen Leiber um sie herum, war noch zu groß, als dass sie auf Details hätte achten können. Erst als eines der Skelettpferde die Feinde vor ihr zertrampelte und sich der nachrückende Wagen zwischen sie und ihre Feinde schob, gönnte sie sich einen Moment der Orientierung. Das Zwischending aus Wagen und Kutsche war mehrere Schritte lang und hoch, bestand komplett aus polierten Knochen und schien nur aus dem Kutschbock und einer freiliegenden, geraden Fläche zu bestehen. Jedoch war der Teil zwischen Rädern und der Geraden, auf der sich auch andere berobte Gestalten befanden, auffällig hoch, fast eine ganze Manneslänge, und Xarela vermutete, dass man sich auch in dem Knochenwagen selbst aufhalten konnte. Ein Mann in Rüstung auf dem Kutschbock beugte sich zu ihr runter, um die Elfin hochzuziehen. Sie konnte nichts von dem Mann hinter dem Vollvisier erkennen, aber ihr fielen seine seltsamen Bewegungen auf. Neben ihm saß ein älterer Draun, der sich die Kapuze seiner Robe über den Kopf gezogen hatte. Die Rüstungen und die Überwürfe brachten in ihren Erinnerungen irgendetwas zum Klingen und sie wusste, dass sie es hier nicht mit schlechten Leuten zu tun hatte, aber sie konnte die Symbole auf der Kleidung ihrer Retter einfach nicht zuordnen. Sie ließ sich von dem seltsam Gerüsteten auf den Kutschbock heben und der Draun brachte mit einem Laut die untoten Pferde zum Weitertraben.

»Willkommen bei den Überresten der nekromantischen Akademie von Kaleistis«, begrüßte sie der Schlangenmensch.

»Vielen Dank, dass ihr mich gerettet habt. Nennt mich einfach Xarela!«

»Es war mir eine Ehre und eine Freude. Ich bin Erznekromant Sardiz«

»Wohin seid ihr unterwegs?«

»Draa‘alan. Wir haben noch ein paar Leute im Wagen dabei, die uns vielleicht helfen können ein Gegenmittel zu entwickeln«, sagte der Zaubermeister und deutete hinter sich in den Wagen, um eine Gegenfrage hinterher zu schieben: »Wohin wart ihr unterwegs…Ich gehe davon aus, dass wir denselben Startpunkt hatten?«

»Da geht Ihr richtig von aus. Ich war mit einer Gruppe von Flüchtenden ebenfalls auf den Weg nach Draa‘alan, dann kam der Regen, wir hatten gewartet und dann war da die Fresserhorde. Könnten wir meine Gruppe suchen und vielleicht mitnehmen? Sie kann noch nicht weit sein. Vielleicht eine halbe Sanduhrumdrehung in östlicher Richtung?«

Der Draun nickte: »Wir werden eure Leute finden und retten. So können wir das Gleichgewicht wieder ein wenig ins Lot bringen«

Nach nur wenigen Teilen eines Sanduhrumlaufes hatten sie die Gruppe erspäht, die sich gerade eine Sanddüne hinaufquälte. Als sie des Knochengefährtes gewahr wurden, erhöhten sie ihre Anstrengungen und versuchten zu fliehen. Daran hätte Xarela denken können. Also stellte sie sich auf dem Kutschbock bei voller Fahrt auf, winkte mit den Armen und rief die Leute bei ihren Namen. Ihr Körpergefühl als erfahrene Kriegerin half ihr dabei, nicht bei dem Tempo und Untergrund vom Wagen zu fallen. Toschka schien schließlich ihre Stimme erkannt zu haben, was bei dem natürlich vorhandenen guten Gehör der Orks nicht verwunderlich war, und rief etwas, woraufhin der Treck zum Stehen blieb. Die Gruppe wandte sich um und lief auf das Gefährt mit Xarela voller Lachen und Freude zu. Auch wenn so ein Konstrukt aus Knochen nicht alltäglich war, spürten sie doch, dass sie nun endgültig gerettet waren und sogar der kleine Mykael, der auf Toschkas Rücken festgeschnallt war, schien seine elfische Beschützerin wieder zu erkennen. Die Akolythen auf und in dem Wagen, Xarela hatte nun gesehen, dass es eine Art Schiebetür hinter dem Kutschbock gab, kamen mit Wasserschläuchen aus dem Inneren und verteilten sie unter den ausgezehrten Flüchtlingen. Xarela bemerkte aus den Augenwinkeln, dass Sardiz neben ihr nur Augen für Toschka hatte. Sie hielt es für eine seltsame, erotische Affektion, bis er leise zischte: »Da ist ja auch unsere kleine Regenmacherin!«

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