[Blogroman – Death Desert] Kapitel 10 – Die Felsmade

»Dämliches Spitzohr! Als ob ich mit ihr in den Tod gehen würde.«, grummelte Forgolax vor sich hin, als er die Düne hinabrutschte, während er noch die Kampfgeräusche von der anderen Seite hörte. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem Grinsen, als er sich bei dem Lärm dachte: »Weiter so, tapfere Kriegerin. Deck meinen Rückzug. Wenn ich ich wieder daheim bin, werde ich ein Goldamulett im großen Tempel für dich Opfern.«

Verstohlen klopfte er auf den kleinen Lederbeutel an seiner Seite, um zu sehen ob jener und besonders sein Inhalt noch da waren. Seine gepanzerten Hände spürten einen Widerstand und ein zufriedenstellendes Klimpern ertönte aus dem Säckchen. Aus einem weiteren Beutel holte er einen Kompass und orientierte sich parallel zur Düne Richtung Westen – der direkte Weg in seine Heimat, die Schwarzberge.

Schwer schnaufend ließ er sich in den Schatten einer großen Sanderhebung fallen, als er sich sicher war, dass er genug Strecke zwischen sich und der Elfin gebracht hatte. Die Rüstung war eine echte Belastung für den Zwerg, aber er sollte verdammt sein, wenn er dieses Wunderwerk der Schmiedekunst seines Volkes zurückgelassen hätte. Natürlich war das Zurücklassen eines Kampfgefährten nicht die feine zwergische Art und die Meisten aus seinem Volk wären lieber gestorben, als so den Zorn der Ahnen auf sich zu ziehen, aber er war anders, er schiss auf die Ahnen und machte lieber seinen Arbeit. Forgolax klappte eine Schnalle auf der Innenseite seiner linken Unterarmschiene auf und ein Zahlenfeld mit zehn Tasten in zwei Reihen kam zum Vorschein. Über dem Zahlenfeld befand sich ein Lautsprecher, neben dem ein gelbes Licht glimmte. Er tippte die Tasten »2 4 8 6« ein und das gelbe Licht wechselte zu grün und statisches Rauschen erklang aus dem kleinen Lautsprecher.

Es knackte und eine tiefe Stimme dröhnte: »Hier Flugbasis 24-86, wir hören!«

Forgolax antwortete, indem er in das verborgene Mikrofon unter dem Tastenfeld sprach: »Hier ist Wüstenfloh. Auftrag im Namen des Königs erfüllt. Erbitte Notevakuierung. Könnt ihr meine Position bestimmen?«

»Bestätigt Wüstenfloh. Rendezvous in T minus zehn Standardwasseruhrumläufen.«, dröhnte die Stimme aus dem Lautsprecher dumpf zurück und ein Knacken erklang, das einen Verbindungsabbruch bedeutete, das Licht wurde wieder gelb.

Forgolax seufzte. Zehn Stunden waren noch eine lange Zeit, wenn man allein in der Wüste war. Sie würden in der Dunkelheit oder der Morgendämmerung kommen. Wegbewegen konnte er sich auch nicht, sonst würden sie ihn nicht finden. Ein Feuer konnte er auch nicht machen. Erstens gab es hier nichts zum Anzünden und zweitens würde er Fresser, Räuber oder rachsüchtige Elfenkriegerinnen damit anlocken. Seine Rasse konnte zwar im Dunkeln hervorragend sehen, aber die Nächte in der Wüste waren kalt und die Besatzung des Luftschiffes würde ihn so besser finden können. Zu schade, dass er seine Armbrust bei der Wache abgeben musste, aber er hatte noch die Signalbolzen, vielleicht ließ sich damit etwas anfangen.

Mit halbgesenkten Augenlidern döste Forgolax vor sich hin. Sie mussten jeden Augenblick kommen, immerhin konnte er am östlichen Horizont bereits die Dämmerung sehen, als er eine Bewegung vor sich auf dem Boden wahrnahm. Ein handballengroßer Skorpion lief vor seinen beschlagenen Stiefeln mit erhobenen und klackenden Scheren hin und her. Er war wunderschön anzusehen, obwohl es noch fast dunkel war, erkannte der Zwerg den metallisch rot und blau schimmernden Panzer.

»Du bist aber ein mutiger, kleiner Kerl.«, murmelte der Zwerg vor sich hin und schnippte dem frechen Achtbeiner ein paar Sandkörner entgegen, was dieser mit ein paar hektischen Drehungen im Kreis beantwortete. Forgolax kam eine Idee: »Ich nehm dich mit, mein kleiner Freund. Mal sehen, was die Gelehrten zu dir sagen. Vielleicht bist du eine noch unentdeckte Spezies? Dann wirst du der Forgolaxskorpion!«

Daraufhin lachte er dröhnend und fasste den Skorpion vorsichtig am Stachel zwischen seinen behandschuhten Fingern und ließ ihn vorsichtig in seinen mittlerweile leeren Proviantbeutel gleiten. Als der Zwergenkrieger den Kopf hob, sah er Positionslichter eines Luftschiffes, das sich vom Westen her näherte. Er warf einen Signalbolzen in die Höhe, der mit einem lauten Pfeifen durch die Morgendämmerung flog.

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Eine Antwort zu [Blogroman – Death Desert] Kapitel 10 – Die Felsmade

  1. Anita Heise schreibt:

    Die feine zwergische, ansatt die feine englische Art? 😀

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