[Blogroman – Death Desert] Kapitel 9 – Zusammenführung

Minutenlang stand Xarela einfach nur, den Mund offen, den Kopf in den Nacken gelegt, und ließ sich von dem kühlen, süßen Regen tränken. Alle aus der Gruppe lachten und tanzten im Regen, sogar der Zwerg brachte nur ein halbherziges Grummeln über »Den nassen Tod von oben« und »Rost« zusammen. Sie standen in einer Senke zwischen zwei Dünen, die parallel von Osten nach Westen verliefen. Mit spitzen Fingern bürstete sich die Elfin das getrocknete Blut aus ihren Haaren und wrang sie immer wieder aus, erstaunt über die Unmengen von Lebenssaft, die ihre Haarpacht aufnehmen konnte. Als sie mit der Selbstreinigung fertig war, blickte sie sich um und entdeckte Toschka, die ein wenig blass geworden war und sich außerdem nicht so sehr wie die anderen freute.

»Ist alles in Ordnung?«, fragte die Kriegerin die junge Orkfrau. Die Angesprochene zwang sich zu einem Lächeln und deute auf ihren Arm: »Es ist nur die Wunde.«

Xarela nickte freundlich zurück, aber ihr war die Unaufrichtigkeit in ihren Augen nicht entgangen.

Die Elfin wandte sich jetzt auch an den Rest der Gruppe: »Wir rasten bis der Regen aufgehört hat!« Sie wollte sich schon setzen, als sie die Eingebung traf und fügte hinzu: »Wenn es keine Einwände gibt?« Die anderen schüttelten nur den Kopf und genossen die erfrischende Dusche.

Während sie auf den Boden saß und mit dem nassen Sand gedankenverloren die hartnäckigen Reste des verkrusteten Blutes auf ihrem Bein abrieb, dachte sie wieder an ihren Geliebten Effariel. Voller Schrecken fiel ihr auf, dass sie an ihn seit dem Tor nicht mehr gedacht hatte. »Liebe ich ihn doch nicht so sehr oder ist diese Aufgabe, die Flüchtlinge in Sicherheit zu bringen, doch genau das, wofür meine Bestimmung mich vorhergesehen hat? Was würde ich tun, wenn ich mich zwischen Effariel und dem Tod dieser Leute entscheiden müsste?«, fuhr es ihr durch den Kopf. Mit einem Kopfschütteln vertrieb sie den Gedanken und hoffte, dass es niemals dazu kommen würde.

Ein Schrei riss sie aus ihren Gedanken. Aus der Richtung, aus der sie gekommen waren, standen plötzlich mehrere Gestalten auf der Düne, die nah genug waren, um ihre wilden Gesichter und blutverschmierten Mäuler zu sehen. Es waren drei. Eine Menschenfrau, ein Ork und ein Zwerg, aber die Elfin konnte schon weitere Köpfe über den Scheitel der Düne hinweg erkennen. Die drei ersten Fresser waren schon im Begriff die Düne hinab zu rennen, als endlich Bewegung in die Gruppe kam.

»Forgolax zu mir, der Rest folgt Isschak!«, rief die Elfin und zog ihr Schwert. Der Zwerg bezog grimmig und mit breitem Stand neben ihr Position. Den Hammer hielt er mit beiden waagerecht vor sich umklammert, sodass Xarela das Knirschen der Gelenke seiner Panzerhandschuhe zu vernehmen. Während sich der Rest der Gemeinschaft die andere, nasse Düne hinauf kämpfte, waren die drei Fresser in ihrem seelenlosen Ungestüm die Sanderhebung hinabgekullert und vielen dem Zwerg und der Elfin vor die Beine, wo ihnen die beiden erfahrenen Krieger sofort die Schädel spalteten. Die nächsten Feinde waren jedoch schon heran und kamen jetzt in immer größeren Wellen, sodass die Gefährten sich langsam den Sandberg rückwärts hinaufbewegten, über den sich auch die Flüchtlinge gerettet hatten. Im Rückwärtsgehen zertrümmerte Forgolax Beine, Brustkörbe und Köpfe, während Xarela Gliedmaßen durchtrennte, Schädel und Körper durchbohrte. Sie mussten sich dabei auch auf den Untergrund konzentrieren, denn sie wussten, dass ein falscher Schritt auf dem abschüssigen, nassen Sand ihnen den Tod bringen würde.

Xarela war so in den Kampf vertieft, dass sie zunächst nicht merkte, dass sie nur noch allein gegen die Flut aus fressgierigen Leibern stritt. Sie hörte keine weiteren Kampfgeräusche mehr und schaute sich schnell nach dem Zwerg um, konnte ihn aber zunächst nicht entdecken, erst als sie sich kurz umdrehte, sah sie den haarigen Schopf von Forgolax hinter dem Dünenkamm verschwinden.

Mit weiten, wüsten Schlägen versuchte sie die Fresser auf Abstand zu bringen, aber die Besessenen spürten keinen Angst oder Schmerz und drangen immer weiter gegen sie vor. Auch wenn sie Forgolax hasste, wollte sie dem Rest der Gruppe noch so viel Zeit wie möglich erkaufen, auch wenn ihre Arme vor Anstrengung in Flammen zu stehen schienen und ihre Augen unablässig vor Schweiß und Blut tränten. Sie enthauptete gerade einen Menschen, als der Druck der Leiber plötzlich nachließ. Jetzt drang ein ohrenbetäubendes Knacken und Kreischen in ihre Ohren und als sie ihren Blick wieder in das Tal zwischen den Dünen schweifen ließ, stockte ihr der Atem. Ein Gefährt, das aus den tiefsten dämonischen Niederrungen entsprungen sein musste, pflügte durch die Reihen der Fresser, verstümmelte und zerquetschte die Leiber wie überreife Früchte. Es sah aus wie ein Wagen oder eine Kutsche und bestand komplett aus einem knochenähnlichen Material, gezogen wurde es von sechs Skelettpferden und auf dem Gefährt selbst stand eine große Gruppe von berobten Gestalten, die unablässig sangen und dazu synchron ihre Hände bewegten.

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