[Blogroman – Death Desert] Kapitel 8 – Vom Gestank in die Hitze

Es hätte Namian nicht überrascht, wenn der Meister ihm erzählt hätte, dass sie schon mehrere Tage unterwegs wären. Der junge Akolyth hatte keine Lust mehr auf das Schweigen um ihn herum, während am Ende ihres Trupps der Satyr noch immer belustigt vor sich hin meckerte und richtete das Wort an seinen Meister, um den eigenen Verstand in Gang zu halten: »Meister, wohin führt uns dieser Weg eigentlich? Außerdem kam mir gerade die Frage in den Sinn, wohin eigentlich diese Abwasser führen – in den Ländern des Nordens und Ostens leitet man es einfach in Flüsse, aber ich habe mich noch nie gefragt, was eigentlich mit unserem Unrat passiert.«

Sardiz drehte sich zwar nicht um, aber Namian meinte so etwas wie Wohlwollen in der Stimme des Meisters zu hören, fast eine Art Schnurren, was den Menschen innerlich etwas verstörte: » Du hast einen wachen Geist, junger Akolyth und deine Fragen liegen näher beieinander, als du glaubst, aber ich erlaube mir zuerst zweitere zu beantworten. Unter den Erbauern von Kaleistis befanden sich einige Erdmagier und Geologen, denen schnell weitläufige und tiefreichende Höhlensysteme in dieser Gegend aufgefallen waren. Natürlich waren diese Gebiete nicht unbedingt zur Bebauung geeignet, aber man hatte die Idee, die Abwässer der Stadt dort hinein zu leiten. Außerdem hatte man den Plan gefasst, diese Abschnitte der Kanalisation, die weit aus der Stadt hinaus führen, militärisch zu nutzen, indem man Truppen durch verstecke Luken schnell und ungehindert in den Rücken des Feindes bringen konnte. Außerdem gibt es Gerüchte, dass man den Boden über den Höhlensystemen einbrechen lassen könnte, aber das halte ich für groben Unfug.« Er schwieg einen kurzen Moment und fügte dann, seinem Akolythen halb zugewandt, hinzu: »Jedenfalls sind diese Luken unser Ziel, wir müssten in wenigen Herzschlägen die ersten erreichen. Ah, siehst du die Sprossenleiter dort vorn?«

»Was ist eigentlich jetzt unser Plan?«, fragte Namian, während er eine Sanddüne hochstolperte und immer wieder ein Stück dabei nach unten rutschte.

»Wir bringen die beiden«, dabei zeigte Sardiz auf den Zwerg und den Satyr, die nicht mehr gefesselt waren »Nach Draa‘alan in die Akademie, wo wir sie dann untersuchen und mit ihrer Hilfe ein Gegenmittel entwickeln werden.«

»Meister, was glaubt ihr, wie viele es aus der Stadt geschafft haben?«

Jetzt drehte sich der Angesprochene um, schaute den jungen Mann kurz an und zischelte dabei etwas nervös, während er überlegte und dann nur kurz antwortete: »Nicht viele. Das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod wurde heute erheblich gestört!«

»Da kommen Reiter!«, meldete eine der Wachen, die den Abschluss der Gruppe bildeten und zeigte Richtung Osten.

»Perfekt«, zischte Sardiz.

Es waren zwanzig Reiter, ihrer Gruppe weit überlegen, dennoch blieben die Nekromanten und ihre Gefolgsleute gelassen, mussten sich sogar dazu zwingen nicht zu glücklich zu wirken. Ihre untoten Begleiter hatten sie vermummt, um die Fremden nicht gleich zu verschrecken. Die Reiter waren schwarz gewandet, hatten Säbel gezogen und trugen keinerlei Abzeichen. Die Totenbeschwörer stellten sich hinter Sardiz auf dem Scheitel einer Düne auf und erwarteten so die Berittenen. Sie waren schnell herangekommen, nur kurz gebremst durch den Aufstieg auf die Düne, wobei Namian bemerkte, dass selbst die Pferde besser mit dem Sand zurecht kamen als er, und näherten sich ihrer Position über den Kamm der losen Wüstenerhebung.

»Ihr kennt sicherlich das Spiel?!«, dröhnte der vermummte Anführer der Gruppe und erklärte seine rhetorische Frage dann doch, als die Gruppe schwieg: »Ihr gebt mir alles, was ihr an Wertgegenständen besitzt und weil ich heute so großzügig bin, dürft ihr sogar eure Wasservorräte behalten. Wir hatten heute schon eine feine Ausbeute, diese Seuche in der Stadt ist wirklich ein willkommener Segen!«

Keiner antwortete, dann machte Sardiz plötzlich Bewegungen in der Luft, als ob er die Luft zerreißen würde und die Räuber und ihre Tiere schrien auf, als eine unsichtbare Kraft ihnen die Kleidung und das Fleisch von den Knochen riss. Die Gerippe fielen zu Boden, um sich wenige Herzschläge später wieder zu Skelettpferden und Knochenwagen zusammenzusetzen.

»So reist es sich doch viel besser!«, seufzte Sardiz, während Namian noch immer die Schreie der Pferde in den Ohren hatte, als er sich neben seinen Meister auf den Wagenbock setzte.

Der alte Nekromant schaute sich um und rief dann vergnügt: »Und da hinten ist ein sehr interessantes Unwetter. Heute ist wahrlich ein Tag voller Wunder!«

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