[Blogroman – Death Desert] Kapitel 7 – In der Wüste

Das Licht der aufgehenden Sonne stach Xarela in die Augen, als sie die große Düne bestieg, die sich einige Meilen vor der Stadt erhob. Sie drehte sich kurz um zu der kleinen Gruppe von Leuten, die ihr bis hierhin gefolgt waren, und ließ ihren Blick weiter bis zu den Umrissen der Stadt schweifen, die brennend unter ihr lag. Selbst von hier aus sah man noch die rennenden Gestalten und die Elfenkriegerin bildete sich ein, noch die Schreie hören zu können. Auf ihrem Arm trug sie einen kleinen zwei oder drei Jahre alten, menschlichen Jungen, der den Kopf in ihre Halsbeuge geschmiegt hatte und schlief. Seine Mutter hatte am Tor einen verirrten Bolzen in den Hals bekommen und das Ordmädchen Toschka, das jetzt hinter Xarela lief, hatte den schreienden Jungen aus den Armen seiner Lebensspenderin gerissen, als deren Blick brach. Die Elfin wartete auf dem Scheitel der Düne, um den Rest der Gruppe aufholen zu lassen. Es waren etwa ein Dutzend Bürger aus der Stadt, die sich mit hängenden Schultern durch den Sand kämpften. Am Ende der Gruppe lief der Zwerg Forgolax, der seinen schweren Hammer geschultert hatte und unentwegt über den Sand schimpfte, der in den Gelenken seiner Rüstung rieb.

»Und du bist dir ganz sicher, dass einen halben Tagesmarsch von hier eine Oase ist?«, fragte Xarela den zischelnden Draun vor ihr.

Der Geschuppte versicherte ihr: »Ja Herrin, wie ich bereits erwähnte, bin ich als Händler diese Route schon oft auf dem Weg nach Draa‘alan gegangen. Wenn ich mich irre, sollen sich meine Schuppen rot färben!«

Die Elfin seufzte innerlich. Sie hatte dem Draun, der sich als Händler namens Isschak ausgab, schon mehrmals gesagt, dass er sie nicht als Herrin anreden solle, aber diese Gewohnheit würde er wohl nicht wieder loswerden. Die anderen hatten sich gesetzt und gegen die Sonne vermummt, während Xarela mit dem Zwerg und dem Händler die weitere Reise planten. Zurück wollte keiner. Die Brände loderten immer noch und bildeten eine hunderte Fuß hohe Rauchsäule über der Stadt. Es würde sicherlich bald nichts mehr geben, für das es sich lohnen würde zurückzukehren – außer natürlich Horden von Fressern. Der Zwerg streichelte sich mit der freien Hand nachdenklich den Bart und sprach dann ruhig: »Auch wenn es mir nicht gefällt, mich nach der Echsenbrut zu richten, haben wir wohl kaum eine andere Wahl. Außerdem liegt die Route sowieso auf dem Weg in mein schönes Heimatgebirge, wo es keinen Sand gibt, der einem in jede Ritze…« Xarela hob die Hand, um einen erneuten Schwall von Flüchen über den Sand abzuwürgen. Der Draun schaute neutral aus seinen geschlitzen Augen und zischelte mit der geschlitzten, grün-blauen Zunge vor sich hin. Wenn er die Beleidigung des Zwerges als solche verstanden hatte, kehrte er seine Empörung zumindest nicht nach außen. Xarela überlegte noch einen kurzen Moment, nickte dann und gab den Aufbruch bekannt. Den kleinen Junge, der ihr verschüchtert verraten hatte, dass er Mykael hieß, band sie sich mit einem Wickeltuch, dass der Zwerg noch in seinem Rucksack hatte, auf den Rücken.

»Müssten wir nicht schon längst da sein?«, rief ein Mensch nach vorn, der einige Schritte hinter Xarela lief.

»Gewiss bald!«, drehte sich Isschak zu dem Fragenden um und versuchte ihn zu beschwichtigen. Tatsächlich würde bald die Dämmerung einsetzen und es war noch keine Oase in Sicht, wie der Draun versprochen hatte.

»Ich will wissen, wo sich die Oase befindet, die Ihr versprochen habt!«, drängte der Mann weiter. Jetzt hielt auch Xarela inne, der Junge wimmerte auf ihrem Rücken vor Durst, was an ihren Nerven riss und drehte sich zu dem Störenfried um. Es war ein Mann in seinen besten Jahren, der einen irren, gefährlichen Blick aus seinen fast schwarzen Augen in die Runde warf, der durch seine große, spitzzulaufende Nase noch verstärkt wurde. Der Echsenmensch wandte sich wieder ruhig dem Mann zu und sprach:

»Freund, wenn mich nicht alles täuscht, dann müssten wir kurz nach dieser Düne«, er drehte sich kurz um und zeigte auf einen Sandberg, der noch eine halbe Wegstunde entfernt war und richtete seine Worte dann wieder an den Menschen: »am Ziel sein.«

»Das glaube ich dir nicht, Echsengezücht! Er will uns in eine Falle locken!« Eine Menschenfrau und ein Ork murmelten Zustimmung und verlangten eine Pause, setzten sich demonstrativ auf den Boden. Eine vermummte Gestalt, die vor dem Zwerg lief, stürzte erschöpft zu Boden.

Xarela mischte sich jetzt ein: »Achte auf deine Worte!« Ihre Stimme hatte einen eisigen Unterton bekommen, der sogar den Draun zusammen zucken ließ, aber den Menschen noch aggressiver machte.

»Wer hat dir eigentlich das Kommando gegeben, Spitzohr? Ihr steckt doch unter einer Decke!« Der menschliche Aufrührer zog seinen Dolch und wollte sich auf die Elfin stürzen, als dieser einen heftigen Schlag in den Rücken bekam und nach vorn geschleudert wurde, wo er schwach zuckend liegend blieb. Der Zwerg war irgendwie unbemerkt hinter ihn gekommen und hatte ihm seinen Hammer in die Schulter gerammt. Noch bevor jemand reagieren konnte zermatschte Forgolax den Schädel des am Boden liegenden, sodass Blut, Knochen und Hirn die umstehenden bespritzten.

»Er war infiziert. Ich habe einen roten Fleck sich auf dem Gewand ausbreiten gesehen, wo mein Hammer ihn getroffen hat. Er muss gebissen worden sein.«

Xarela wollte überrumpelt etwas als Antwort entgegenstammeln, als sie schräg hinter sich ein Wimmern hörte. Toschka hielt sich den rechten Arm mit den Fingern der linken Hand unter deren Fingern dickes Orkblut hervorquoll. Der Dolch musste dem Erschlagenen bei dem Treffer in den Rücken aus der Hand geflogen sein und Toschka am Arm getroffen haben.

»Es geht schon wieder«, schniefte sie mitleidig und zwang sich zu einem Lächeln. Hinter ihr braute sich am Horizont eine Wolkenfront zusammen. Ein Windzug umspielte die Gruppe, der nach köstlichem Regen roch.

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