[Urlaub – Diaries] Tag 2 – El Sturmo grande

Das schöne an so einem Urlaub ist doch auch, dass man als jemand, der dem deutschen Kulturraum entsprungen ist, auch mal unbeschwert ein englisches Frühstück genießen kann – denn seien wir doch mal ehrlich: Wer, außer Veganern und Vegetariern, die denken sich das folgende als Veggie-Varianten, träumt nicht davon, sich fettigen, gebratenen Schinken, Eier, Bakes Beans und gebratene Tomaten zum Frühstück hinter die Waffel zu hauen? Um die Sache nicht ganz so ungesund zu gestalten, hatte ich beschlossen das Brot wegzulassen, sind ja sowieso nur böse, leere und seelenlose Kohlenhydrate. Und siehe da: Ich habe mich kaum vollgefressen gefühlt und mit einem Käsebrötchen bis zum Abendessen, immerhin neun Stunden, durchgehalten. Anscheinend bin ich doch eher so der Eiweißtyp.

Danach kam der unvermeidliche Strandspaziergang. Ich muss dazu sagen, dass ich Strände ziemlich verabscheue. Der scheiß Sand klebt dir am ganzen Körper, paniert ihn quasi auf der Sonnencremengrundierung (Ich hasse auch Cremes, besonders Sonnencreme). Dann hat man keinen Schatten und starrt nach spätestens einer Stunde nur noch blöd vor sich hin, weil die Gehirnzellen, die für weiterführende Aktivitäten nötig wären, schon längst im Gehirnwasser verkocht sind. Das salzige Meerwasser ist arschkalt, lässt den Sand noch besser an dir kleben und macht die Haare spröde. So sitzt man dann da: Eine mit Sand panierte Salzkartoffel mit strohigen Haaren, während die einheimischen Frauen in knappen Bikinis und die dazu gehörigen, perfekt trainierten Männer ohne ein Sandkorn daneben liegen, die Haare frisch gestylt und glänzend, als kämen sie gerade vom Hairstylisten ihres Vertrauens. Festzuhalten ist: Mitteleuropäer sind nicht für Sandstrände gemacht!

Zu diesem Übel des Sandstrandes kam auch noch der Umstand, dass sich die Wetterlage nicht geändert hatte, sich sogar im Verlauf des knapp zweistündigen Spaziergangs verschärfte. Meine Mutter kam vor dem Wendepunkt auf die glorreiche Idee, Schutz vor dem Wind zwischen den Dünen zu suchen. In einer kurzen, windstillen Phase gelang das auch sehr gut – bis uns dann eine schöne Sandwolke ins Gesicht flog. Auf dem Rückweg mussten wir die ganze Zeit gegen den fucking Wind laufen. Im Hotel fühlte ich mich dann wie sandgestrahlt.

Wie die Leser meines Blogs, die schon länger dabei sind, wissen, bin ich eigentlich ein motivierter und passionierter Schwimmer. Da ich in diesem Jahr noch nicht so richtig Zeit dazu hatte, die Fluten zu teilen, wollte ich das Schwimmjahr im Hotelpool einleiten. Die abwartend belustigten Blicke der übrigen Poolbesatzung auf den Liegen, hätten mich stutzig machen sollen. Als ich in die Fluten stieg, spürte ich so eine ungeheure Kälte, wie ich sie noch nie in einem Gewässer erlebt habe, in dem ich geschwommen bin. Normalerweise gewöhne ich mich schnell an die Wassertemperaturen, aber nach einer Runde fror ich noch mehr, sodass mir schon die Testikel wehtaten. Ich flüchtete also aus dem Eiswasser und ließ mich von der Sonne wieder trocknen. Dabei entdeckte ich ein mir vollkommen unbekanntes Phänomen: Poolaufsichten! Die junge Frau hüllte ihren baywatchartigen Körper in einen Trainingsanzug und machte keinen Hehl darauf, dass sie wohl einen der langweiligsten Jobs der Welt besaß. Nach einer Stunde hatte sie sich ein neues Getränk geholt, ein halbes Dutzend mal getrunken, einmal gepfiffen, um Kinder von irgendwelchen Steinen zu vertreiben, die anscheinend dekorative Elemente darstellen sollten und fing wohl aus lauter Verzweiflung damit an, die freien Liegen durch die Gegend zu rücken.

Den Rest des Nachmittages verbrachte ich damit, mich von dem Sandsturm und den Erfrierungen zu erholen; Also schlafen, lesen und schreiben. Das Abendessen war besser als am Vortag und neben uns saß ein ehemaliger 100%iger aus der ehemaligen demokratischen Republik, der seine Frau ausführlich über die agrarischen Produkte der Insel aufklärte. Den Rest des Abends las ich und später ging es dann wieder in den Metalpub. Diesen Abend mit einer anderen Bedienung, die uns sehr freigiebig mit dem hiesigen Honigrum auf Kosten des Hauses bewirtete. Wir unterhielten uns kurz mit einem ehemaligen Sportlehrer, der seit fünf Jahren auf der Insel lebte, aber keine Kinder mochte und deswegen jetzt in einem Fahrradverleih arbeitet. Kurz nachdem seine Freundin aber ankam, war er total verändert, komplett andere Ausstrahlung und sie schaute ihn natürlich mit dem Arsch nicht an und redete mit ihrer besten Freundin, während er seine Angebetete anschaute, als ob er sie gleich heiraten wolle. Nach kurzer Zeit verzogen sie sich wieder und ein paar aus dem Schwarzwald gesellte sich zu uns, dass nach einem kurzen Wortgeplänkel wieder lieber für sich blieb, um dann nach einer Stunde von den Selfies ihrer Tochter zu erzählen – Bitte erzählen Sie mir alles!

Kurz darauf begaben wir uns zunächst wieder auf den Heimweg, aber meine Mutter zog es in einen Irish Pub, wo ich das schlechteste Bier bekam, was ich je getrunken habe. In diesem Irish Pub gab es nämlich weder Kilkenny, die einzige irische Biermarke, die ich mag, noch Snakebite ( Bier + Cider ). Die Band war ganz gut, aber nach einer Stunde siegten dann doch die Müdigkeit und das schlechte Bier.

 

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