[Urlaub-Diaries] Tag 1 – Es wackelte im Rentnerbomber

Nachdem ich ganze drei Stunden geschlafen, geduscht und meine sozialen Netzwerke abreisefertig gemacht hatte, holte mich meine Mutter am frühen Vormittag ab. Danach durften wir Zeuge mehrerer spektakulärer Elefantenrennen auf einer zweispurigen Autobahn sein und erreichten nach einer Stunde den Flughafen. Die Abfertigungen gingen recht schnell und ich wurde, wie immer als langhaariger, bärtiger Mann, besonders gründlich durchsucht. In der Wartehalle bewahrheitete sich schnell meine Befürchtung: Meine Mutter und ich waren deutlich die jüngsten Passagiere. Um uns herum nur Rentner, Legionen von Untoten, die sobald der Ständer mit den kostenlosen Zeitschriften angekarrt wurde, zu eben jenen schlurften und die gichtigen Finger in das Hochglanzpapier gruben.

Das Boarding ging in entsprechendem Tempo weiter. Stöhnen schlurften sie den engen Gang des Flugzeugs entlang und (Reim zufällig), falteten erst fein säuberlich ihre Jacken, bevor sie diese in die Deckenklappen legten und endlich ihre Sitzplätze einnahmen. Aber auch als wir saßen, waren wir nicht vor Unheil gefeit. Zwei der Diener des Verfalls (Ausdruck von meinem verehrten Heinz Strunk geklaut) waren nicht in der Lage ein „C“ von einem „D“ zu unterscheiden. Nach einer kurzen Einführung in das lateinische Alphabet konnte dieser Konflikt beigelegt werden.

Kurze Zeit später ergriff mich jedoch innerlicher Zorn, als ich erfuhr, dass wir kein Mittagessen umsonst bekämen – und ich liebe Flugzeugessen – sondern nur einen „kleinen Snack“. Der Snack bestand entweder aus einem Vollkornbrötchen mit Käse oder einer Laugenstange mit Salami. Aufgrund meiner Roggenallergie entschied ich mich natürlich gegen das Vollkornbrötchen. Die geräucherte Salami ergab mit der salzigen, kalten Laugenstange ein wenig den Geschmack von geräucherter Makrele, was sehr schön ist, wenn man gegen sämtliches Meeresgetier allergisch ist. Zusätzlich gab es nur Wasser, grünen und schwarzen Tee kostenlos. O Tempora, o Mores! An diesem Punkt bestand dann die Möglichkeit noch ein richtiges Mittagsmahl für 7 (in Buchstaben „sieben“) Dublonen zu erstehen. Eine 0,5l Flasche mit meiner heißgeliebten Sprite hätte mit 2,5 Dollar zu Buche geschlagen. Aber diesen Gangstern wollte ich kein Geld in den Rachen werfen. Die Untoten übten sogar solang den Aufstand bis der Steward wortwörtlich sagte „Ich habe keine Kraft mehr. Diese ganzen Scherzchen und Sprüche sind mir zu viel!“ Gut nachvollziehen konnte ich ihn, immerhin war er nicht für die Firmenpolitik verantwortlich und Sprüche, die mal in den Sechzigern lustig waren, hatte er auch nicht verdient. Hinzu kam noch, dass ein Film gezeigt werden sollte. Fünf Minuten nachdem meine Mutter mir berichtete, dass er ganz gut sei, stockte er. Nach nur zwanzig Minuten fiel es dann auch der Bordbesatzung auf und der Film wurde noch einmal von vorn abgespielt. Nach fünfundzwanzig Minuten stockte der Film an derselben Stelle – Ich hatte sowieso meine Kopfhörer vergessen.

Irgendwann döste ich dann ein und wachte von der Ansage auf, dass der Windstrom, der uns eine halbe Stunde früher als geplant zum Ziel führte, den Flug nun ein wenig wacklig gestalten würde. Das Anschnallsignal ertönte, was den schnatternden Zombiehaufen aber erst recht dazu zu animieren schien, rumzulaufen und mit jeder Reihe zu scherzen. Immer diese Adrenalinjunkies im Rentenalter! Mit seiner letzten verbliebenen Kraft schaffte es der Steward noch einmal per Durchsage die Söldner des Untergangs (ebenfalls Heinz Strunk) zur Raison zu bringen.

Ich fliege ja wirklich gerne und hatte auch noch nie ein mulmiges Gefühl, aber der Landeanflug war schon „etwas spannend“. Die Turbulenzen hielten auch beim Landeanflug an und noch wenige hundert Meter über dem Boden schlingerte das Flugzeug ziemlich stark. Die Landung an sich war dann aber butterweich und ich war kurz davor zu klatschen, aber nur fast 😉

Am Flughafen ging alles reibungslos. Der Busfahrer fuhr zwar erst einmal direkt an unserem Hotel vorbei und steuerte ein anderes an, bevor er dann noch einmal umdrehte, um uns abzuliefern, aber sowas liegt noch im Rahmen des Normalen bei den hiesigen Busfahrern.

Das Essen war ziemlich ok, übliches, spanisches Hotelessen eben. Danach forderte die anstrengende Reise ihren Tribut und mein Nacken war total steif, peinigte mich mit Kopfschmerzen und Unwohlsein. Nachdem ich ihn zwanzig Minuten mit heißem Wasser behandelt und fünfzehn Minuten geschlaffen hatte, war ich wieder fit. Gegen 22 Uhr fanden wir uns dann in unserem Stammmetalpub ein und bewunderten den neu angebauten Balkon. Da das übrige Publikum lieber unter sich blieb und wir noch ziemlich gedamaged von der Reise waren, traten wir nach 2,5 Stunden bereits den Rückzug an.

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