Schwimmbad Diaries III – Weihnachtsferienspecial!

Stell dir vor es sind Ferien und alle gehen ins Schwimmbad – Ein Albtraum der heute für mich Wirklichkeit wurde. Nichts ahnend fuhr ich in die Badeeinrichtung, um meinen Körper zu stählen und Geist zu reinigen, da begrüßten mich auch schon beim Durchqueren der Eingangspforte die Höllenchöre, die mancher als Kindergeschrei bezeichnen würden oder Eltern gar als „Das schönste Geräusch dieser Erde“. Nachdem ich dem ersten Impuls nach Hause zurückzukehren widerstanden hatte, beschloss ich die meine Quest doch noch zu Ende zu führen und wie einst Dante die Höllenkreise zu durchqueren.

Ich betrat also den Distrikt mit den Umkleidekabinen und Spinden. Hinter den sonst ruhigen, grünen Türen erklangen Worte des Schreckens und Grauens. „Kevin, geh bitte noch einmal Pipi machen!“ oder „Warte bitte auf die Mama, Karl-Torben!“, um nur zwei Beispiele zu nennen. Aber auch ich hatte meine Hausaufgaben gemacht und verschloss meine Ohren mit Kopfhörern. Der „Aggrotech – Industrial – EBM – Dark Electro – Megamix 2012“ von „Snowstyler“ rettete auf Maximallautstärke meine geistige Gesundheit.

Wie gewohnt wollte ich einen der großen Familienspinde ganz Hinten nehmen und musste zu meinem entsetzten feststellen, dass mein Leibstahlschrank bereits besetzt war! Ich bekam letztendlich doch noch meinen großen Spind, aber musste mit der Nummer „609“ statt „753“ vorlieb nehmen. Kann man sich eine bessere ausgewogenere Zahl als „753“ vorstellen? Drei Ziffern, die jeweils um den Wert „2“ voneinander getrennt sind, das ist für mich kosmische Harmonie.

Schon beim Vorduschen gab es einen Vorgeschmack auf den Schrecken, der noch folgen sollte. Es war so voll, dass ich keinen angenehmen Zwei-Duschen-Abstand zum nächsten Mann halten konnte. Aber auch diesen Angriff auf meine Comfortzone ertrug ich stoisch!

Das Freizeit- und das Schwimmübungsbecken waren wie zu erwarten zum Bersten mit johlenden Blagen und ihren Erzeugern vollgestopft, aber mein Revier, das Sportbecken, war dagegen fast so leer, dass es so aussah, als ob ich in Ruhe eine Bahn für mich in Besitz nehmen könnte. Was war ich nur für ein Narr?!

Die ersten Bahnen liefen noch gut, aber dann kamen immer mehr. Zunächst keine Kinder, sondern nur einfach mehr andere adulte Schwimmer, aber die ersten Rückenschwimmer kamen mir als Propheten des Verhängnisses entgegen. Kurze Zeit später begannen Horden von halbstarken Bälgern von den Türmen zu springen, schlanke weibliche Gestalten dazwischen, die ich ohne Brille auf irgendetwas zwischen 12 und 25 schätzte und meine Sinne vernebeln wollten, aber sie hatten nicht damit gerechnet, dass ich ohne Brille blind wie ein Maulwurf war, haha! Ständig lenkten mich die Rufe der Springer ab. „Guck mal! Guck mal!“ und ich guckte, obwohl ich nichts sah, aber da zischten schon haarscharf die Rückenschwimmer heran – Puh! Noch einmal Glück gehabt. Aber auch die anderen, normalen Schwimmer waren nervös. Keiner vertraute niemandem, alle schauten sich misstrauisch an? Bist du der Erzeuger des arschbombenden Rüdigers? Oder gar ein „Guter-Vorsatz-Für- Das – Neue- Jahr – Schwimmer?“

Und während du noch voll konzentriert brustschwimmend den Rückenschwimmern ausweichst, befindest du dich plötzlich unter dem Drei-Meter-Turm und du weißt ganz genau: „Irgendwann wird die Bombe fallen, du weißt nicht wann, aber du weißt, dass sie fallen muss!“ Du willst dich kurz am Beckenrand festhalten, aber da ist kein Platz, weil der ganze Rand von präpubertierender Brut besetzt ist, also drehst du auf der Stelle um, linst vorsichtig nach oben und versuchst kurzsichtig, wie du bist, zu erkennen, ob da oben grad ein Wanst ist, aber du hast die Richtung verkannt, aus der die Gefahr kommt. Denn plötzlich taucht neben dir ein etwa Mädchen auf, das zwölf Lenze zählt, kratzt dir über die Hand, tritt dir gegen das Schienbein, murmelt ein „Entschuldigung“ und verschwindet dann wieder zum Beckenrand, um vor ihren Artgenossen mit ihrem Anschlag zu prahlen.

Ich fragte mich dann, ob ich in dem Alter auch so war, aber die Antwort lautet „Nein!“. Ich saß in meinen Weihnachtsferien ganz brav vor dem PC und behinderte nicht junge Studenten, die den Weihnachtsspeck von den Hüften schwimmen wollen, nicht an dieser wichtigen Ausübung. Was ist nur aus der guten, alten Stubenhockerei geworden? Und warum müssen die Eltern ihre Brut alle auf einmal ins Schwimmbad schleifen? Ist das auch so eine Art Rudelverhalten?

Wie dem auch sei – Irgendwann war es dann vorbei und ich kam mit einem blauem Fleck am Schienbein davon. Beim Duschen belegte ich die abgetrennte Dusche, die für einen Erwachsenen und ein Kind eigentlich gedacht ist, allein! Haha! Und auch eine Großraumumkleide besetzte ich ganz allein, meine Zeit der Rache war gekommen. Während ein seine Brut verzweifelt zusammenhaltender Vater eine größere Kabine suchte!

Also liebe Eltern, lasst euch gesagt sein, dass auch ledige Männer in den Zwanzigern dreist sein können – Wir haben nichts zu verlieren.

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4 Antworten zu Schwimmbad Diaries III – Weihnachtsferienspecial!

  1. valarauco schreibt:

    Oooohh wie ich diesen Beitrag liebe *____* Er erzählt so vieles was auf eine Menge anderer Bereiche übertragbar ist…. Lieder^^ Ich drücke die Daumen das es beim nächsten Schwimmen besser wird ❤

  2. Kim schreibt:

    Ohje, da hattest du ja einen ganz schön anstrengenden Tag hinter dir. 😀 Aber umso schöner ist es doch, dass man hinterher drüber lachen kann, wenn man deinen Beitrag liest.^^

    Nächstes Mal sind die Kids bestimmt wieder in der Schule und du darfst dich wieder über Rentner ärgern…Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde… 😀

    Ganz liebe Grüße ❤ ❤
    Kim

    • cheshirepunk schreibt:

      Ja, mir hatte noch den ganzen Abend das Schienbein wehgetan! Tinka hat auch gepustet! 😀

      Nee, Rentner sind nicht so schlimm. Die treten nicht in diesen Massen auf und auch nicht mehr nachmittags, da schlafen die schon oder müssen ins Heim oder so. Außerdem springen sie nicht von den Türmen 😀

      Noch ganzere, liebere Grüße ❤ ❤ ❤
      Ben

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