[Blogroman – Death Desert] Kapitel 6 – Kanalisation

Als die Falltür von den verbliebenen Wachleuten über ihnen versperrt und versiegelt worden war, fühlte sich Namian wie in einem Grab. Er ging hinter seinem Meister, der die schweigende Prozession aus Nekromanten, deren Akolythen und Wachen führte. Der Zwerg war noch immer bewusstlos und musste von zwei Kriegern der Akademie getragen werden. Wie zu erwarten stank es erbärmlich und war auch nicht angenehm kühl, sondern warm und feucht, das Abwasser floss träge zu seiner Rechten. Er bemühte sich mit der Rechten die Fackel möglichst hochzuhalten, sodass sie einen nicht zu langen Schatten vor seinem Ausbilder warf.

Die Wände und Böden waren glitschig von grünen und rötlich braunen Algen, sodass das verwendete Baumaterial des Abwassersystems nicht mehr zu erkennen war. Der glitschige Boden machte jeden Schritt auf dem schmalen Fußweg zu einem Balanceakt und Namian geriet immer mehr ins Schwitzen. In der Stadt machten Gerüchte ihre Runde, dass seltsame Wesen und Ungeheuer die Kanalisation bewohnen würden, aber auch, dass sie ein Versteck für Kriminelle und Ausgestoßene sein sollte. Es sollte richtige Wohnanlagen hier geben, aber der Nekromantenlehrling konnte sich nicht vorstellen, wie jemand in der stinkenden, schwülen Umgebung permanent überleben konnte. Sie kamen an eine Art Wegbiegung, gingen nach links und befanden sich neben einem wesentlich größeren Becken.

Namian wurde bewusst, dass die Kanalisation ähnlich wie das Straßennetz aufgebaut sein musste. Es gab Hauptadern und Nebenabflüsse, oder war es eher eine Art Organismus mit verschiedenen Arterien und Venen. Wenn es so war, dann glaubte Namian, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Antikörper dieses System sie angriffen. Vereinzelt stiegen Blasen neben ihm in dem Abwasser hoch und als sein Meister seine nervösen Blicke bemerkte, tadelte er ihn, dass es nur normale biochemische Vorgänge seien. Dennoch glaubte er jeden Moment an den Knöcheln in die stinkende Kloake neben sich gezogen zu werden.

Der Kanal wurde so breit, dass sie im Fackelschein nicht mehr die gegenüberliegende Seite sehen konnten. Immer wieder überquerten sie Nebenkanäle, über die einfache Holzbretter gelegt wurden. Einmal entdecke er in so einem Nebenkanal in weiter Ferne ein paar Fackeln, die um eine Art hölzernem Steg angebracht worden waren, an dem wiederum einige Flöße festgemacht wurden. Sie ignorierten die Stelle und Namian überlegt, dass dort vielleicht einfach die Kanalarbeiter Flöße benutzten, um schneller durch das Abwassersystem zu gelangen.

Ein Schrei riss ihn aus seinen Gedanken und er wäre fast gestürzt. Ein paar hinter ihm war einer aus ihrer Gruppe ins Wasser gefallen. Die anderen zogen ihn schnell wieder heraus und außer der Tatsache, dass der Akolyth jetzt nach Fäkalien roch, war ihm nichts zugestoßen.

Er hatte jegliches Gefühl für Raum und Zeit verloren und wusste nicht, wie lange sie schon durch die Kanäle geeilt waren, als sich ihnen aus einem Seitenkanal vor ihnen finstere Gestalten in den Weg schoben. Es waren zwei Orks, die rhythmisch jeweils ein Nagelbrett auf ihre Handflächen klatschen ließen.

»Wegzoll!«, knurrten sie ihnen entgegen.

»Wie viel wollt ihr?«, fragte Namians draunischer Meister.

Die beiden Orks wichen bei den harten, gezischten Worten unwillkürlich einen Schritt zurück und schauten in den Kanal, wo wahrscheinlich Verstärkung warten würde. Offensichtlich beruhigte sie das, was sie dort sahen wieder und feindselig sagten sie: »Ein hübsches Abbild vom Stadtherrn pro Nase!«

Sardiz überlegte einen Moment und krallte dann seine Hände zusammen. Die Orks schrien auf, als sie jeweils von einer Hand gepackt und an den Knöcheln ins Wasser gezogen wurden. Während das Wasser unruhig an der Stelle brodelte, an der die beiden hineingezogen worden waren, kamen Rufe und Schritte aus dem Seitengang. Die Wachen hatten sich indes nach vorne, vor den Meister geschoben und blockierten den Zugang vom Seitenkanal aus ohne Probleme.

»Werte Kollegen…«, Sardiz drehte sich zur Gruppe um »Es wird Zeit, dass wir uns wieder eines größeren Gefolges bemächtigen!« Währenddessen sah Namian über die Schulter seines Meisters hinweg, wie die beiden Akademiekrieger routiniert Schläge abblockten und austeilten, während sie von nun mehr drei Händepaaren aus dem Wasser unterstützt wurden. Die Kanalisation hallte von den Schreien der sterbenden Mitglieder der Bande wieder, sodass Namian glaubte, man müsste es im ganzen Netz des Abwassersystems hören. Nach wenigen Minuten war es vorbei, eine der Wachen gefallen, die sein Meister ebenfalls ins Wasser befahl, nachdem er die Leiche ebenfalls wieder als Marionette hatte auferstehen lassen. Der Rest der Bande war entweder tot oder geflohen.

Sie bogen wieder in einen Seitenkanal an und blickten wenige Schritt entfernt in die Augen eines Satyren, der meckernd und lachend auf dem schmalen Weg umher hüpfte und ein größeres Holzkästchen mit einer Hand an sich drückte. Als er die Gruppe bemerkt, wurde er plötzlich ängstlich und murmelte etwas von einem Stein.

Neben dem Ziegenmenschen stiegen zwei orkische Kadaver aus dem Wasser und hielten ihn an den armen fest, aber so, dass er das Kästchen in den Händen behalten konnte. Erst jetzt näherte sich Sardiz neugierig. Es war nicht so, dass er grausam war, wie alle Nekromanten hatte er auch geschworen die Lebenden zu schützen und brachte nicht ohne Not jemanden um.

Nach einer kurzen Begutachtung winkte er Namian zu sich. »Sieh dir das an, mein Schüler, was hat unser hufiger Freund?«

Namian musterte den Satyr: »Geweitete Pupillen und Verfärbungen um Mund und Nase…Saft?«

»Absolut richtig!«, zischte er erfreut und fügte hinzu: »Es hat also einen Grund, dass er zu uns gefunden hat, also sollten wir ihn mitnehmen. Wer wären wir denn, dass wir uns gegen das Schicksal stellten?«

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4 Antworten zu [Blogroman – Death Desert] Kapitel 6 – Kanalisation

  1. Kim schreibt:

    Ahhh, Ben! Entweder habe ich etwas nicht mitbekommen oder du hast mich unter falschen Versprechungen hergelockt! Wo ist der Stein? 😀 😀 😀

    Und jetzt fühle ich mich, als bräuchte ich dringend eine Dusche, weil ich selbst in der Kanalisation herumgelaufen wäre. Pfui, Teufel! 😀 😀

    Ganz liebe Grüße ❤
    Kim

  2. Sabi schreibt:

    Sehr schön 🙂 Die Geschichte an sich gefällt mir suuuuuupi. Ich mag die einzelnen Charaktere und die Handlung an sich. Es ist spannend und ich bin gespannt wies weiter geht!
    Nur ich komm mit den Kampfszenen nicht klar. Ich muss oft die Sätze doppelt oder drei Mal lesen, um zu blicken, was überhaupt grob passiert. In Folge zwei hab ich daher so gut wie garnichts mitbekommen. Wer ist da jetzt wer und macht was und warum überhaupt?
    Alles andere gefällt mir voll. Eine bunt gemischte Fantasywelt…. mit Zombies…. hammer!

    lg,
    Sabi

    • cheshirepunk schreibt:

      Hmmm….erstmal vielen Dank für das Lob.
      In der zweiten Folge sollte es gerade darum gehen, dass es verwirrend ist, der Überblick verloren geht. Einfach Gemetzel, umherspritzendes Blut und Körperteile. Man weiß nicht, wer Freund und Feind ist oder ein Freund, der schon gebissen wurde. Vielleicht habe ich es ein wenig übertrieben. Ich lasse mir das nochmal durch den Kopf gehen, vielen Dank für den Hinweis 🙂

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