[Blogroman – Death Desert] Kapitel 5 – Das Tor

Obwohl ihre Schläger immer schneller wurden und sie damit eine Unzahl von Köpfen und Armen abtrennte, konnte sie nicht zu der Gruppe der Elfenwächterinnen aufholen, die sich wie eine Naturgewalt durch die engen Gassen fräste. Als wenn eine unsichtbare Macht die Fresser lenken würde, tauchten die meisten Fresser hinter den Wachen der Elfen auf und verlangsamten die Aufholjagd von Xarela. Die junge Orkfrau und der Zwerg hielten sich hinter ihr, gerade so weit, dass sie ihre Schläge nicht behinderten, und erledigten die gefallenen Fresser, die noch lebten. In diesem Gebiet trafen sie kaum noch auf nicht Verwandelte, aber diejenigen schlossen sich ihnen ebenfalls an, in der Hoffnung, dass die blutbeschmierte Kriegerin sie sicher aus Stadt bringen und beschützen würde. Ein roter Schleier hatte sich vor Xarelas Gesichtsfeld gebildet, ob von der Anstrengung, dem kommenden Blutrausch oder dem Lebenssaft der Feinde kam, war ihr ziemlich egal. Sie kämpfte immer instinktiver, die Schläge mehr von Gewalt als Präzision geleitet. Wenn sie blinzelte, merkte sie nur, dass die Lieder vollkommen verklebt von Blut waren, das ihr ins Gesicht gespritzt war.

Sie bog um eine Häuserecke und ihr roter Schimmer wurde von einer leuchtenden Gestalt unterbrochen, die nur wenige Schritte vor ihr an eine Hausmauer gelehnt stand. Es war Irida, die gerade einen gebissenen Menschen enthauptete. Die Wächterin hatte ihren Helm abgenommen und ihr Gesicht war von rotem Nass und braunen, getrockneten Krusten bedeckt, während das Blut weitestgehend von ihrer Rüstung abgeperlt war und zäh auf den Boden tropfte. Ein paar ihrer rot getränkten, eigentlich blonden Haarsträhnen waren ihr ins Gesicht gerutscht und hatten sich dort wie blutige Tentakel festgeklebt. Ihre einstige Kampfgefährtin hatte sie noch nicht bemerkt, aber Xarela nahm wahr, dass sie versuchte nur ein Bein zu belasten. Der Schluss, dass sie zurückgelassen worden war, um die Gruppe nicht zu verlangsamen, lag auf der Hand. »Typisch elfische Militärlogik«, dachte Xarela zynisch.

Irida hatte sich eine Verschnaufpause erkämpft, blickte sich um und bemerkte die Gruppe ihrer verhassten Konkurrentin. Sie ätzte ihr entgegen: »Immerhin konntest du einige von deinen neuen Freunden retten, während deine Schwestern fallen, um deinen Geliebten zu retten!«

Xarela seufzte nur resigniert: »Ich würde dir auch helfen, wenn du es wolltest.«

»Verpiss dich, du Verräterschlampe!«

Sie zogen schweigend und in großem Abstand an der verletzten Wächterin vorbei, die am liebsten alle aus dem Gefolge ihrer Feindin mit bloßen Blicken getötet hätte. Es waren mittlerweile immerhin zwanzig Leute verschiedenster Rassen und Klassen geworden, wie Xarela nach einem Blick über ihre Schulter bemerkte. Was sie jedoch nicht sah, war der verzweifelte und hoffnungslose Blick ihrer ehemaligen Kampfschwester, als sie an dieser vorbei gezogen waren.

Der Ordenskriegerin wurde bewusst, dass sie ganz im Geiste des silbernen Halbmonds die Sorge für die Leute zu tragen hatten, die ihr folgten und Vertrauen in sie legten. Rasch befahl sie Forgolax sich an das Ende des Trosses zu setzen und von dort aus die Flüchtenden zu sichern. Nach einem kurzen Grummeln, von dem sie nur »So weit schon…Befehle von einer Elfin…« verstand, ließ sich der Zwerg zurückfallen, dessen zweihändig geführter Hammer mit Blut, Gehirn und Knochensplittern verschmiert war. Mit dieser Gruppe würde sie ihren Effariel niemals in der Stadt einholen, aber er war mit den anderen Wächterinnen sicher, und auch wenn man an ihren moralischen Sichtweisen zweifel haben konnte, so konnte man dies nicht an ihrer Loyalität und Kampffertigkeit. Sie würde die Leute aus der Stadt bringen und dann ihren Prinzen suchen. Ein so hochgeborener Elf mit Leibwache würde in den freien Oasen nicht verloren gehen.

Wie moralisch fragwürdig und loyal die Wächterinnen handeln konnten, stellte Xarela fest, als sie mit ihren Leuten auf die Torstraße einbog. Fackeln am Tor und brennende Häuser in der Umgebung erleuchteten die Szene um das Tor. Es war ein relativ schmaler Einlass in die Stadt, eher für Bürger, Touristen und einfache Händler, nicht Karawanen oder Militär ausgelegt, geschweige denn für große Menschenmengen. Die Stadtwachen regulierten den Strom der Flüchtenden, um Tote und Verletzte durch Quetschungen und Niedertrampeln zu vermeiden. Sie hatten die Lage einigermaßen unter Kontrolle. In loser Reihe hatten sie sich um die Bürger platziert und bekämpften die einzelnen Fresser, die sich in diesen Außenbereich verirrt hatten. Von der Mauer aus gaben weitere Schützen Feuerschutz für ihre Kameraden am Boden. Durch die angestaute Menschenmenge wurde auch die Gruppe mit ihrem geliebten Prinzen aufgehalten. Xarela freute sich bereits, dass sie ihn doch noch einholen konnte. Kurz konnte sie sogar einen Blick auf sein leuchtendes Haar werfen, als um die Gruppe herum Tumult losbrach. Die Wächterinnen wollten sich durch die Menge nach vorne schieben. Nach kurzen, lauten Protesten wurde eine der Elfinnen in den Mob gezogen, woraufhin ihre Kameradinnen die Waffen hoben, ihre Gefährtin freischlugen und sich durch die nun vor Entsetzen und Schmerz schreiende Menge nach vorn zum Tor hin schlachteten. Xarela war von diesem Vorgehen nicht überrascht und bedeutete bedauernd und wütend ihrer Gruppe anzuhalten. Sie sollte nicht in den Strudel der sinnlosen Gewalt gezogen werden. Die Wachen am Boden mischten sich nicht ein, aber ihre Mitstreiter auf den Mauern beschossen die Wächterinnen unter ihnen und töteten zwei von ihnen. Dafür rächten ihre Schwestern sich an den Soldaten am Tor und flüchteten aus der Stadt. Xarela befahl ihrem Gefolge bei der Versorgung der Verletzten am Tor zu helfen, die schrien und sich in ihrem Blut und Eingeweiden wandten, drehte sich um und erledigte eine Menschenfrau, die mit blutverschmiertem Mund auf sie zu rannte. Sie trennte ihr mit jeweils einem Hieb zuerst das linke Bein, dann das rechte ab. Dann einen Arm und danach den anderen. Erst dann fegte sie den Kopf von den Schultern der Fresserin. Aber in Xarelas Augen war es keine Fresserin, sondern eine hochgewachsene Elfenfrau in reiner, strahlender Rüstung.

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