[Blogroman – Death Desert] Kapitel 4 – Untergrund

Kapitel 4 – Untergrund

»Das beste Zeug aus den Wäldern Loraniens, das schwör ich dir. Das ballert dir die Rübe weg!«

»Dann hast du doch bestimmt kein Problem damit, wenn mein Mitarbeiter hier etwas von dem guten Saft probiert?«

Trados trat aus der Ecke hinter seinem Boss hervor und griff sich die kleine, verstöpselte Phiole mit dem flüssigen, honigfarbenen Inhalt.

»Kein Problem!«, antwortete lächelnd der andere, ein tätowierter Elf.

Der Satyr entkorkte freudig den kleinen Glasbehälter, prostete den Anwesenden zu, denn auch bei ernsten Geschäften konnte er, wie es die Natur seiner Art war, nicht ganz ernst bleiben, und schüttete sich den Inhalt in den Mund. Die rechteckigen Pupillen wurden schon kurz nach dem Schlucken größer und Trados musste sich am Tisch festhalten. Es brannte wohlig in seinem Magen. Seine Beine wurden weich und gaben unter ihm nach, aber das war egal, denn der Boden fühlte sich wie ein dicker Teppich an. Oder wie weiches, grünes Gras. Er hatte noch nie grünes Gras berührt, aber mal davon gehört. So wie sich der Boden anfühlte, so musste sich grünes Gras anfühlen. Da war sich der Satyr ganz sicher. Seine haarigen Händen fühlten die Halme auf den Boden, die ständig ihre Farbe veränderten. Irgendwo weit über ihm sagte sein Boss: »Ich glaube das können wir noch gut strecken!«

Der Raum war viel größer geworden und voller bunter Farben. In einer Zimmerecke saß ein blauer Vogel, lächelte ihn an und fragte, ob es ihm gut ginge.

»Mir geht es gut, lieber Vogel!«, antwortete Trados.

Irgendwo weit weg schrie jemand. Die Farben änderten sich im Raum. Sie wurden dunkel und bedrohlich. Es klopfte und der Vogel öffnete die Tür. Dadurch stürmte eine Frau, deren Mund mit süßem Saft ganz verschmiert war. Sie ging zum Boss und küsste ihn, während die Vögel hektisch um die beiden herum flatterten. Es war so laut geworden. Trados wollte nur weg. Neben ihm lag ein hübscher Stein zwischen den Grashalmen am Boden. Den wollte er mitnehmen. So etwas Hübsches durfte man doch nicht liegen lassen. Der Satyr nahm den Stein und lief in den schwarzen Gang. Ein wenig fürchtete er sich. Weil es überall so laut war und alle rumschrien. Auf der Straße kamen ihn noch mehr Leute entgegen, die Marmelade vor dem Mund hatten. Aber es war keine Marmelade, es war Steinstaub! Sie wollten seinen Stein fressen. Trados boxte sie zur Seite, sprang an ihnen vorbei oder rammte ihnen seine Hörner ins Gesicht. Sie durften den Stein nicht bekommen! Er geriet in Panik, sie waren überall, die Steinfresser. Wo konnte er nur hin? Neben ihm war eine dunkle Seitengasse, da war niemand. Schnell rannte er hinein und schaute sich nach einem Versteck um.

Dann endlich fiel sein Blick auf die Luke im Boden. Der Satyr versuchte sie mit einer Hand anzuheben, aber sie war zu schwer. Um sie zu öffnen, hätte er den schönen Stein weglegen müssen. Lange überlegte Trados, schaute über die Schulter und nach vorn, ob da jemand sei, der ihm den Stein wegnehmen könnte, aber die Luft war rein. Ganz nah neben sich legte er seinen Schatz und zog mit beiden Händen an dem Griff, lehnte sich mit dem ganzen Körpergewicht dran und stemmte die Hufe in den staubigen, trockenen Boden. Endlich schwang die Klappe auf. Darunter war eine kurze Treppe, die in einen Gang führte, der voller Abwesenheit von Licht war. Vorsichtig mit dem Stein unter seinem Arm stieg Trados die Treppe hinab, bis seine Hufe auf Steinboden trafen. Aber es war ein anderer als der, den er unter dem Arm trug. Nicht so schön. Es gab nur zwei Wege, vor oder zurück. Er drehte sich eine Zeit lang um, und immer wenn er ein paar Schritte in eine Richtung gegangen war, drehte er sich wieder um und ging in die andere. Doch endlich kam eine hübsche, grünlich schimmernde Fee an ihm vorbei geflogen und sagte zu ihm: »Hihihi, folge mir!«

Der Satyr freute sich über die Flugkünste und Kunststücke und lachte meckernd vor sich hin. Auf den Weg achtete er nicht mehr, lief einfach der Fee hinterher. Vor ihm standen plötzlich viele Gestalten in langen, schwarzen Umhängen, aber es waren keine Steinfresser. Er fragte: »Könnt ihr mir helfen meinen Stein in Sicherheit zu bringen?«

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter [Blogroman] Death Desert abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu [Blogroman – Death Desert] Kapitel 4 – Untergrund

  1. 😀 😀 😀 Da ist er ja, der Satyr! Das mit dem Stein hab ich zwar irgendwie nicht so ganz verstanden und auch die meisten anderen deiner Wesen kenne ich gar nicht oder nur vom Hören sagen, aber ich fühle mich unterhalten. 😉

    Ganz liebe Grüße ❤
    Kim

  2. Sabi schreibt:

    haha, der Kerl is cool! So Charaktere liebe ich 🙂
    Bin gespannt, wie es mit ihm weiter geht!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s