[Blogroman] Kapitel 2 – Todeslegionen

Heute wird eine weitere Hauptfigur des Blogromans vorgestellt. Ich werde jede Woche ein wenig zwischen ihnen hüpfen. Auch wenn es noch nicht so erscheinen mag, so ist doch ihr Schicksal miteinander verknüpft. In einer Woche kommt der dritte Teil!

Kapitel 2 – Todeslegionen

»Meister! Irgendetwas stimmt in der Stadt nicht! Überall steigt Rauch auf und eine große Menge Bürger hat sich vor den Toren versammelt!«

Normalerweise hätte so eine Meldung dem jungen Akolythen sofort einen Tadel und eine Belehrung des Meisters eingebracht, aber etwas in der Stimme des jungen Menschen hatte den alten Draun aufmerksam gemacht. Er wandte seinen schwarz geschuppten Kopf dem jungen Magier zu, witterte dessen Geruch durch die beiden Schlitze, wo bei anderen Rassen gewöhnlich die Nase saß und fixierte ihn mit seinen rotglühenden Augen, wohl wissend, wie nervös sie den Menschen machten. Er roch nach Aufregung strahlte ungewöhnlich viel Hitze ab. Nach der eingehenden Musterung sprach der Draun endlich sein Gegenüber an: »Was sagen die Leute vor dem Tor?«

Namian, dem wiederum die zischelnde Aussprache dieser Rasse beunruhigte, fasste sich schnell: »Sie bezeichnen uns als Mörder und Verräter, verlangen Einlass in die Akademie. Es ist unmöglich mit ihnen zu reden!«

Wortlos rauschte der Erznekromant an ihm vorbei. Das musste er sich selbst ansehen. Normalerweise waren die alten Totenbeschwörer keine Leute, die sich mit dem einfachen Volk abgeben. Es war voller Hektik und Eile, dabei würden sie doch am Ende sowieso alle sterben. Die Akademie bemühte sich dennoch um das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod und der Meister schien aus seinen Worten eine Gefahr dafür zu sehen. Eigentlich hatte Namian nur berichten und Befehle abholen wollen. Dass sich sein Lehrer selbst darum kümmerte, bereitete ihm Sorgen.

Erst auf dem Torgang holte er ihn ein und sprach ihn aber nicht an. Es war dunkel, kurz vor Mitternacht. Schon beim Betreten des lehmigen Vorhofes, die Akademie hatte keinen Sinn für weltlichen Protz, hörte er die Schläge gegen das beschlagene Tor und die Rufe von außen. Meister Sardiz war mittlerweile auf der Brüstung über dem Tor angelangt und Nimian konnte von der Position schräg hinter ihm erkennen, dass die Zahl der Randalierer zugenommen hatte.

»Was wollt ihr?«, rief der alte Nekromant mit magisch verstärkter Stimme, die ihn zusammen mit seinem Aussehen wie ein dämonisches Wesen aussehen ließen. Als Antwort flogen Steine auf den Magus, von denen aber kein einziger traf. Die Wachen unter ihnen stemmten sich mit voller Kraft von innen gegen das Tor, da tauchten auch schon die anderen Nekromanten auf und ihnen folgte eine Schar Zombies in den verschiedensten Phasen des Verfalls. Die Untoten nahmen vor dem Tor die Stellung ein und lösten die lebenden Wachen ab, während die Magier weiter hinten im Hof standen und die Horde aus verrottendem Fleisch kontrollierten.

Plötzlich schrie die Menge unter Nimian am Tor auf und ganz am Ende der staubigen Straße sah er einige andere Zivilisten und ein paar Stadtwachen auf die Akademie zu rennen. Irgendetwas stimmte aber mit den Neuankömmlingen nicht. Sie rannten fast unnatürlich schnell und ihre Gesichter waren rot. Sein Meister befahl trotz des aggressiven Mobs das Tor zu öffnen und die Zombies strömten heraus, bildeten dabei aber Gassen durch die jene Leute vor dem Tor in die Akademie hätten gelangen können. Die Vorderen wichen jedoch vor den Zombies zurück, während die anderen nach vorn zur Akademie drängten. Nimian sah und hörte einige Bürger in der Mitte aufschreien, die in dem Tumult zu Boden gingen und todgetrampelt wurden. Jetzt fing Sardiz an auch zu zaubern und die am Boden liegenden erhoben sich wieder schweigend und drängten in Richtung der Neuankömmlinge. Die ersten von ihnen erreichten die Leute vor dem Tor und fielen über sie her wie Bestien. Blut spritze, Körperteile wurden abgerissen und Schmerzensschreie hallten durch die Straßen. Die Zombies drangen unbeirrt weiter vor und der Mob beim Tor hatte mittlerweile begriffen, dass die Gefahr nicht vonseiten der Akademie kam und versuchten nun verstärkt durch das Tor zu drängen. Die Schreie und grausamen Verstümmelungen brachten Nimian zum Würgen und er wäre am liebsten davon gerannt. Der Tod war für ihn selbstverständlich geworden, aber nicht auf diese Art und Weise. Als die Linie zwischen Zombies und den verwandelten Bürgern nur noch zwei Mann dick war, schlossen die Nekromanten sie. Nimian hatte zudem beobachtet, wie die von den Neuankömmlingen getöteten oder verletzten Bürger sich nach kurzer Zeit ebenfalls auf ihre unverletzten ehemaligen Kameraden gestürzt hatten. Er wollte den Meister vor ihm fragen, was das für eine Art Schrecken sei, aber der Akolyth wusste, dass man bei so einer Beschwörung nicht stören sollte. Die Zombies kämpften jetzt direkt gegen die Verwandelten und die Zombies bekamen die Oberhand, da die gefallenen Verwandelten direkt wieder aufseiten der Zombies auferstanden. Sie zerrissen sie einfach wie Papier.

»War es eine Krankheit?«, überlegte Namian, der das Geschehen mittlerweile mit einer gewissen Faszination sah. Die Überlebenden des Mobs hatten sich im Hof versammelt und wurden von den menschlichen Wachen zusammengetrieben, während die Tore geschlossen worden waren. Die Zombies trieben die Verwandelten immer weiter zurück, als das Dröhnen von hunderten Schritten durch die Gassen um die Akademie heran schallte. Neue Verwandelte kamen aus Seitenstraßen und Wegen geströmt und drückten ihre Kumpanen weiter nach vorne, stiegen sogar übereinander hinweg, um in den Kampf zu kommen. Die Zombies wurden einfach zerdrückt oder niedergetrampelt, fielen in Windeseile. Sardiz ließ die Beschwörung fallen und brach erschöpft zusammen. Nimian fing ihn auf und setzte seinen Lehrmeister hin.

»Hör mir jetzt gut zu.«, sagte der Erznekromant mit schwacher, zischelnder Stimme. »Siehst du den Zwerg mit dem Biss im Arm?«

Nimians Blick folgte dem ausgestreckten Arm und der junge Mensch nickte.

»Wir müssen ihn durch die Tunnel aus der Stadt und zu unseren Brüdern in den anderen Akademien bringen. Die Krankheit hat ihn nicht befallen, daher müssen wir aus ihm das Gegenmittel gewinnen.«

Sie gingen den Torweg wieder hinab und gesellten sich zu den anderen Magiern, es waren ein Dutzend mit jeweils einem Akolythen. Sardiz erklärte ihnen seinen Plan und auch die mächtigsten anderen Nekromanten widersprachen nicht. Der Totenbeschwörer nickte einer Wache zu und die packte den Zwerg, während die anderen Gardisten mit schnellen, tödlichen Streichen die übrigen Unverwandelten töteten. Die Nekromanten ließen sie wieder auferstehen und befahlen den willenlosen Toten das Tor zu bewachen. Zusammen mit den Wachen und dem bewusstlos geschlagenen Zwerg eilten die Magier in die Katakomben der Akademie. Das erste Mal hatte Nimian das Gefühl, dass die alten Meister ratlos waren und Angst hatten.

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