[Blogroman] Death Desert – Kapitel 1 „Der Ausbruch“

»Geh da weg Schätzchen, das ist nicht deine Sache!«Der Mundgeruch des Straßenschlägers schlug Xarela noch aus zehn Metern Entfernung entgegen, als sie vor dem wimmernden Mann Aufstellung genommen hatte. Es war relativ kühl und schattig in der engen Gasse, die von den Wänden der gekalkten, weißen Häuser begrenzt wurde. Schatten war in der Mittagszeit in der Oasenstadt überlebenswichtig.»Siehst du das hier?«, antwortete sie und tippte dabei auf den halbmondförmigen, silbernen Anhänger am Träger ihres Ledertops. Sie fuhr fort: »Das bedeutet, dass es mich etwas angeht!«Der Schläger lachte und drehte sich dabei zu seinen Kameraden um: »Oh eine edle Elfenreckin, die Geschworen hat, die Armen und Schwachen zu verteidigen!«Innerlich fluchte die Kriegerin auf, sie hatte die Zeit ganz vergessen. Aus der dunklen Gasse heraus konnte sie nicht die Sonne sehen und fragte laut alle Anwesenden: »Wie spät ist es?«»Es hat vor Kurzem erst zur Mittagsstunde geläutet!«, antwortete der Anführer der Bande.Schon wieder würde sie zu spät kommen, aber ihr Eid war nun einmal wichtig für sie, das musste Effariel einsehen.»Ich werde es kurz machen!«, kündigte Xarela an und hob ihren Speer. Es waren fünf, drei Menschen und zwei Orks. Der Anführer, ein Ork und der mit dem Mundgeruch. Sie täuschte einen Stich gegen sein Bein an, aber stach in seinen Oberarm, als er hervorzuckte, um die Spitze mit seinem Kurzschwert zu blocken. Mit einem kräftigen Tritt beförderte sie die stinkende Grünhaut gegen seine Kumpane. Sie nutzte die Verwirrung und verteilte großzügig Schläge und Stiche gegen Arme und Beine. Ohne Not tötete die Elfe nicht. Jede Attacke war wohl überlegt und mit so viel Kraft wie nötig geführt, das hatte sie in Jahrzehnten des Waffentrainings schon von Kindesbeinen an gelernt. Als die Straßenräuber hinter ihr in der Gosse lagen, dachte sie bei sich, dass das der Grund war, warum man in ihrem Volk den Männern keine Waffen in die Hand gab. Sie waren zu Ungestüm und untalentiert, taten am Ende nur sich selbst und Unschuldigen weh.

»Endlich bist du bei mir, meine Geliebte! Ich hatte mir schon solche Sorgen gemacht!« Mit wehenden, leichten Gewändern kam Effariel auf sie zugeeilt.»Ist das Blut von dir?«, fragte er entsetzt, als er die roten Spritzer auf der nackten Haut ihrer Arme und Beine sah.Xarela beruhigte ihn: »Nein, nur das Blut ein paar stinkender Straßenräuber, die angebliche Schulden von einem armen Schlucker eintreiben wollten.« Dabei löste sie ihren Zopf und setzte sich an das Fenster, schaute auf die üppigen Gärten des Ratspalastes, der durch ausgeklügelte Bewässerungsanlagen von der Oase gespeist wurde. Effariel stellte eine Schale mit nach Lavendel duftendem, warmen Wasser neben ihr ab und begann sanft ihre Haut und den Nacken zu berühren und das Blut mit einem feinen Schwamm von ihren Gliedern zu waschen. Sie erschauerte wohlig unter den Berührungen seiner feinen Hände und merkte wie sich ihre Knospen aufrichteten und gegen das Leder drückten. Behutsam strich er ihr nachtschwarzes Haar zur Seite und küsste ihren Nacken. Das war zu viel für sie. Die Elfenkriegerin drehte sich um, packte die Hände des jungen Prinzen und wollte ihn zum Bett führen, um ihn dort zu nehmen, als ein Schrei aus den tiefer gelegenen Regionen des Palastes drang.»Das war bestimmt nur eine Dienerin, die einen Krug Wasser fallen gelassen hat, mach weiter.«, keuchte Effariel.

Die Sonne stand blutrot und senkrecht am Himmel über der Wüstenstadt, als sie fertig waren sich zu lieben. Langsam wich die Hitze des Tages der Kühle der Abenddämmerung. Sie spielte mit seinen aschblonden, feinen Haaren, während er in ihren Armen friedlich schlief. Sanft strich sie über seinen grazilen, fast zerbrechlich wirkenden Körper und dachte daran, wie er ihr als kleiner Junge immer bei den Kampfübungen zugeschaut hatte. Sein Vater war schon damals Sprecher der Elfen im Rat von Kaleistis gewesen und Xarela die Tochter eines Adligen, der zwischen den Elfenenklaven in den verschiedenen Stadtstaaten vermittelte. Sie hatte kaum noch Erinnerungen an ihn, da er bei einem Überfall in der Wüste getötet worden war, als sie gerade erst laufen gelernt hatte. Ihre Mutter war bei der Geburt gestorben. Effariels Familie hatte die Waise aufgenommen. Seine Mutter hatte Xarela persönlich trainiert. Schnell hatten der Prinz und das junge Waisenmädchen sich angefreundet und sobald er schreiben konnte, hatte er angefangen Gedichte für sie zu schreiben und Epen, die ihre späteren Heldentaten besingen sollten.Ihre Erinnerungen wurden je unterbrochen, als es hart an die Tür klopfte. Bevor die beiden reagieren konnte, wurde die Tür einfach aufgerissen und fünf Wächterinnen kamen herein marschiert. Die Elfinnen darunter waren nicht zu erkennen, jeder Zoll ihrer Körper war mit Metall bedeckt.»Der Herr Afdriel wünscht seinen Sohn zu sehen, allein!«, donnerte die Anführerin unter ihrem Helm hervor. Obwohl ihre Stimme der Helm verzerrte, wusste Xalena, dass es Iridia war. Die nackte Elfenkriegerin konnte deren eifersüchtige und missgünstige Blicke beinahe körperlich spüren und stellte sich ohne Scham vor ihre ehemalige Kameradin, damit diese keinen Blick auf ihren Geliebten werfen konnte.»Hast du denn auch die Güte dem Prinzen zu sagen, was sein Vater von ihm möchte?«»Das weiß ich nicht und wenn ich es wüsste, würde ich es in deiner Gegenwart nicht sagen, damit du es nicht unter dem Abschaum der Stadt rumerzählen kannst, den du offensichtlich deiner eigenen Rasse vorziehst.«Effariel war mittlerweile in einen seidenen Mantel geschlüpft und eilte zwischen die beiden Elfinnen.»Es gibt hier keinen Grund zu streiten. Wir sind doch alle unserer Stadt verpflichtet, die uns so treu aufgenommen hat, nicht wahr?«Beide Frauen nickten.»Gut, Irida bitte warte mit deinen tapferen Streiterinnen vor der Tür, während ich mich ankleide und vorbereite.«»Euer Vater hat klar gesagt…«Der Prinz unterbrach sie: »Soll mein Vater davon erfahren, dass ihr mich nackt gesehen habt, von euren unziemlichen Worten ganz zu schweigen? Ich denke das muss nicht sein.«Kommentarlos drehten sich die Kämpferinnen um und marschierten zur Tür hinaus.»Es tut mir Leid, dass du dir ihre Schmähreden…«Jetzt unterbrach Xarela ihn mit einem Kuss und sagte dann: »Sie ist nur eifersüchtig – Das wäre ich auch an ihrer Stelle.«, fügte sie mit einem Augenzwinkern hinzu.

Sie mussten ein paar Kerzen anzünden, da es fast dunkel geworden war. Der Prinz gab ihr zum Abschied noch einen Kuss. Als er weg war, fühlte sie jedoch den Schmerz und die Enttäuschung, dass ihr ehemaliger Adoptivvater sie so sehr ablehnte. Xarela dachte damals, dass er ihre Entscheidung dem Orden beizutreten verstehen würde. Seine Frau hatte sogar geweint. Er meinte, es wäre nicht standesgemäß für eine Elfe von adligem Geschlecht Bettler zu beschützen. Dabei gab es mehr als genug Wächterinnen, die die Elfen in der Stadt beschützten. Der alte Ratsvorsteher wollte sogar ihre Verlobung aufheben lassen, aber Effariel hatte sich standhaft gewehrt. Man hatte sich darauf geeinigt, dass sie erst heiraten würden, wenn er gestorben wäre und für den Rest seiner Tage sollte sie ihm nicht mehr unter die Augen kommen.

Es war fast Mitternacht geworden und Effariel war schon seit Stunden weg, als Xarela Tumulte und Schreie aus dem Palast hörte. Sie packte ihren Speer und gürtete das Schwert. Als sie auf den Flur hinaustrat, sah sie schon Bedienstete aller möglichen Rassen an sich vorbei laufen. Wenn sie das richtig erkennen konnte, liefen sie vor einem anderen Bediensteten weg. War das eine Art Spiel? Dass es keines war, sah sie voller Schrecken, als ein Mensch eine Elfin an ihren Haaren zu Boden zog und ihren Hals zerfleischte, während sie noch schrie. Von den Wächterinnen war natürlich weit und breit keine Spur. Die Elfin war mittlerweile ruhig geworden, nur ein paar Finger zuckten noch und der Mensch fraß weiter von ihr. Xarela zog das gebogene Schwert und näherte sich langsam und leise dem Fresser. Ein wohlplazierter Schlag hieb ihm den Kopf ab, als er zu ihr aufgesehen hatte. Weitere Diener kamen um die Ecke gelaufen, ihre Münder waren Blutverschmiert und die Pupillen schwarz. Drei Orks, einem Elfen, drei Menschen und einer Zwergin brachte sie das Ende, als sie hinter sich auf dem Boden eine Bewegung wahrnahm. Instinktiv zog sie den Fuß weg, gerade noch rechtzeitig bevor die Zähne der Elfin in ihre Wade gefahren wären. Ein harter Tritt Xarelas zertrümmerte ihren Kopf. Sie musste ihren geliebten finden.

Mit schnellen Schritten hetzte sie durch die Flure an Flüchtenden vorbei, die aus dem Palast wollten. Unterwegs tötete sie ein Dutzend dieser seltsamen Fresser und bog endlich auf den langen Flur zum Saal ein. Sie sah ihren Geliebten mit seinem Vater umringt von mehr als zwanzig Wächterinnen aus dem Raum treten. Effariel sah sie und rief ihren Namen, wollte zu ihr rennen, aber sein Vater und die Wächterinnen hielten ihn fest. Vor Xarela strömte plötzlich eine Meute Fresser aus einem breiten Gang auf den Hauptflur und schnitt ihren Weg ab. Es waren bestimmt mehr als fünfzig, die sich allein auf sie stürzten. Sie musste sich zurückziehen. Immerhin würde Effariel bei den Wächterinnen sicher sein. Auf der Straße würde sie ihn wiederfinden.

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2 Antworten zu [Blogroman] Death Desert – Kapitel 1 „Der Ausbruch“

  1. Texthase Online schreibt:

    das ist zum Weiterempfehlen und zum Folgen des Blogs gut!

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